Ein paar der Statuen für frühere Android-Versionen. Bleibt die Frage: Welchen Codenamen wird Android Q tragen?

Foto: Eric Risberg / AP

Unter dem Codenamen Android Q arbeitet Google derzeit an einer neuen Generation seines Betriebssystems. Vor rund einer Woche ist man bei XDA Developers zum ersten Mal an eine interne Vorabversion gekommen, die schon auf den ersten Blick einige neue Funktionen offenbarte. Nun gibt es weitere Details.

Face ID

Google arbeitet derzeit offenbar an der Integration eines "Face ID"-ähnlichen Systems direkt in Android. Zwar gibt es auch bei Googles Betriebssystem bisher schon die Möglichkeit das Smartphone mittels Gesichtserkennung zu entsperren, bei Face ID wird das Ganze aber noch durch zusätzliche Hardware unterstützt, was vor allem die Sicherheit steigern soll. Entsprechend soll diese Funktion künftig auch zur Autorisierung von Bezahlvorgängen genutzt werden können, etwas für das weniger sichere Entsperrmethoden wie die einfache Gesichtserkennung nicht zugelassen sind.

Unklar bleibt dabei, ob dies ein Hinweis auf die nächste Smartphone-Generation von Google ist. Immerhin integriert Google oft neuen Hardware-Support in sein Betriebssystem, der dann in der darauffolgenden Generation von Pixel-Smartphones genutzt wird. So wurde etwa im Vorjahr offizielle Unterstützung für Bildschirmausschnitte ("Notch") eingeführt, nur um dann gleich beim Pixel 3 XL zum Einsatz kommt. Gleichzeitig könnte Google die verbesserte Gesichtserkennung auch einfach zur Vereinheitlichung für seine Partner anbieten, und einfach mit deren Geräten testen.

Downgrade

Eine weitere interessante Neuerung: Android Q bekommt offenbar Support für App-Downgrades. Damit könnten die Nutzer auf eine frühere Version der App zurückkehren. Bisher geht dies nur bei vorinstallierten Apps und auch da nur auf die auf dem Gerät installierte Version. Offen bleibt dabei allerdings, ob diese Möglichkeit auch direkt im Play Store angeboten wird, oder nur über die Kommandozeile erreichbar sein wird.

Bereits im ersten Leak war ein systemweiter Dark Mode zu sehen. Wie sich zeigt, unterstützt Android Q aber darüber hinaus auch einfache Theming-Möglichkeiten. So sollen sich etwa Highlight-Farben, Icon-Form und Schriften künftig systemweit ändern lassen. Ebenfalls neu sind erweiterte Screen Recording-Möglichkeiten, die mit Tonaufnahmen kombiniert werden können.

Privacy

Ein Schwerpunkt der Entwicklung von Android Q dürfte im Bereich Privacy legen. So war etwa bereits zu sehen, dass die neue Softwareversion die Möglichkeit gibt, den Zugriff auf die Standortberechtigung nur dann zu erlauben, wenn eine App gerade im Vordergrund aktiv ist. Umgekehrt soll aber auch der mit Android 9 deutlich eingeschränkte Hintergrundzugriff auf Location-Daten wieder erweitert werden – natürlich nur wenn die Nutzer dem explizit zustimmen.

Neue Beschränkungen soll es für den Zugriff auf den Zwischenspeicher geben – also das Clipboard. Bisher kann jede App auf die dort abgelegten Daten zugreifen, künftig soll dies über eine neue Berechtigung abgesichert werden. Die konkrete Formulierung verweist dabei darauf, dass in Zukunft nur mehr im Vordergrund laufende Apps Einblick in den Zwischenspeicher bekommen – außer sie sind von Haus aus auf dem Gerät installiert.

Storage

Stärker absichern will Google auch den Zugriff auf den "externen Speicher" in Android. Darunter fallen etwa SD-Karten und USB-Sticks, aus Kompatibilitätsgründen gehört aber auch ganz allgemein jener Bereich hinzu, in dem die Nutzerdaten gespeichert werden. Bisher konnte eine App, die die Storage-Berechtigung angefragt hat, hier uneingeschränkten Zugriff auf alle Dateien erlangen – inklusive Fotos und Dateien anderer Apps. Mit Android Q werden nun eine Reihe neuer Berechtigungen eingeführt, mit denen etwa der Zugriff auf Fotos, Video und Musik beschränkt wird. Auch wer Zugriff auf Metadaten von Fotos haben will, muss künftig extra anfragen. Hiermit will man verhindern, dass Apps auf diese Weise einen Standortverlauf der Nutzer zusammenstellen. Entsprechende Angriffe wurden in der Vergangenheit immer wieder demonstriert.

Interessant ist auch, dass eine Funktion ins System wandert, die bisher an anderer Stelle zu suchen war: Die Erkennung von Aktivitäten wie Gehen, Laufen oder Autofahren wurde bisher über die Google Play Services abgewickelt. Nun soll das Ganze aber Teil des Systems werden.

Android 10

Abzuwarten bleibt, wann es die erste Testversion von Android Q zum Download geben wird. Im Vorjahr war es im März soweit. Klar ist zumindest, dass die neue Softwaregeneration wieder eine wichtige Rolle im Rahmen von Googles Entwicklerkonferenz I/O spielen wird, die am 7. Mai startet. Insofern wird man sich wohl einige der neuen Features für diesen Zeitpunkt zurückhalten. Eines macht der aktuelle Leak übrigens auch klar: Android Q wird aller Voraussicht offiziell als Android 10 veröffentlicht werden – was allerdings ohnehin keine sonderlich Überraschung darstellt. (Andreas Proschofsky, 28.1.2019)