Niki Lauda, der "einen guten Namen hat" (Ryanair-Chef O'Leary), bleibt als Galionsfigur an Bord von Laudamotion.

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Schwechat – Freundschaftlich seien die Gespräche mit Niki Lauda gewesen, und das schon im Herbst vergangenen Jahres. Von Eile und Druck will Michael O' Leary nichts wissen, wenn er erzählt, wie es dazu kam, dass aus der im Herbst 2018 ausgegebenen Losung, Ryanair könne "innerhalb von drei Jahren" die verbliebenen 25 Prozent an Laudamotion übernehmen, nun so rasch eine Komplettübernahme wurde.

Bereits Ende Dezember hat Ryanair seinen Anteil an der Niki-Nachfolgeairline Laudamotion von 75 auf 100 Prozent aufgestockt. Wie viel dem Chef der größten Billigairline Europas das Paket wert war, will er nicht sagen. Nur so viel und halb im Scherz: "Niki setzte uns die Daumenschrauben an. Es war zu viel." Die Kosten für die Übernahme der ersten 75 Prozent durch Ryanair hatte die irische Fluggesellschaft anlässlich des Einstiegs bei Laudamotion im März 2018 auf weniger als 50 Millionen Euro geschätzt. Die gleiche Summe wollte der irische Billigflieger noch einmal für Anlaufkosten im ersten Jahr und operative Kosten beisteuern. Lauda hat nach eigenen Aussagen rund 50 Millionen Euro investiert.

Galionsfigur

Lauda, der Anfang 2019 wegen einer Influenza-Infektion wieder im Krankenhaus behandelt werden musste, werde keineswegs von der Bildfläche verschwinden – und auch wieder bei Pressekonferenzen auftauchen, kündigte O'Leary an. Und: Der Kurzzeiteigentümer stehe voll hinter den Plänen, sekundiert Laudamotion-Chef Andreas Gruber. Laudas Rolle beschreibt er so: "Niki bleibt weiterhin an Bord, als Vorsitzender des Gesellschafterausschusses." Der Ex-Rennfahrer sei "die Marke der Firma", eine Galionsfigur. In welcher Höhe und Form diese Funktion abgegolten wird, dazu will Gruber nichts sagen: "Es gibt ein Package, über das wir keine Auskunft geben."

O'Leary räumt dann doch eine gewisse Eile ein, die die Transaktion beschleunigt habe. In zehn Jahren soll Laudamotion die größte Fluglinie in Österreich sein, sagt er mit Blick auf die Lufthansa-Gruppe. Ein ambitionierter Plan. Im vergangenen Jahr beförderte die ganze Lufthansa-Gruppe in Wien rund 62 Prozent der Passagiere (47,5 Prozent die AUA), Laudamotion kam auf 2,2 Prozent.

Expansion

Auf dem Papier ist die Expansion generalstabsmäßig geplant: Im Sommer 2019 soll die Laudamotion-Flotte von 19 auf 25 Flieger aufgestockt und das Streckennetz ausgeweitet werden. Bis 2020 will die Airline mit 30 Airbus-Maschinen abheben und 400 zusätzliche Mitarbeiter anstellen. Bis Jahresende soll mindestens eine neue Basis außerhalb Österreichs und Deutschlands feststehen. Auch in Osteuropa sieht der Ire Potenzial für Laudamotion.

Wachsen, wachsen, wachsen, und das so schnell wie möglich, lautet der Plan. "Das Ziel ist nicht der Break-even im nächsten Jahr, sondern dass sechs Millionen Passagiere befördert werden", sagt O'Leary. Laudamotion wäre dann in etwa so groß wie Niki vor der Insolvenz. Ob der Verlust 25 oder 50 Millionen ausmache, sei zweitrangig. Schwarze Zahlen peilt man unverändert im dritten Jahr an. Der Druck am Markt werde jedenfalls nicht geringer werden, sagt O'Leary. Die Ticketpreise würden weiter fallen, denn noch sei zu viel Kapazität auf dem Markt.

Laudas Familie, so Gruber und O'Leary, könne man die für diesen aggressiven Kurs nötigen Anstrengungen nicht aufbürden. (rebu, 29.1.2019)