Am Anfang ist alles neu, das kann für Eltern überfordert sein. Die Frühen Hilfen unterstützen Familien daheim.

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Beim Autofahren ist sich die Weltgemeinschaft recht einig: Wer hinter dem Steuer eines motorisierten Fahrzeugs sitzen will, muss vorher erst eine Führerscheinprüfung bestehen. Bei der Familiengründung ist das anders. Wer Mutter oder Vater wird, ist seinen Instinkten und dem Glück überlassen. Und oft sind die ersten Monate mit einem Baby alles andere als einfach.

Das Dramatische an Problemen in dieser Zeit: Die frühe Kindheit ist entscheidend für die gesamte spätere Entwicklung eines Menschen. Deshalb hat es Sinn, junge Familien in familiären Krisensituationen in dieser hochsensiblen Zeit zu unterstützen.

"Frühe Hilfen" ist ein österreichisches Modellprojekt, bei dem alle wichtigen Stakeholder des Gesundheitssystems an einem Strang ziehen und damit ein Auffangnetz geknüpft haben. Die Idee: Elternkompetenz ab der Schwangerschaft fördern, bei Problemen in den ersten Monaten Ansprechpartner bleiben und Hilfe organisieren, sie kommt nach Hause zu den Familien.

Ökonomischer Nutzen

Denn, und dafür gibt es Evidenz: Die frühe Kindheit ist die Basis für den späteren Gesundheitszustand und das Wohlbefinden als Erwachsener. Der Wirtschaftswissenschafter Johannes Köttl von der Weltbank hat den ökonomischen Nutzen von Investitionen in die frühe Kindheit auch mit Zahlen belegt.

Familienbegleitung im Sinne der "Frühen Hilfen" beginnt während der Schwangerschaft von eigens geschulten Personen, es können Hebammen, Sozialarbeiterinnen, Krankenpflegerinnen Pädagoginnen oder Psychologinnen sein. Ärztinnen und Hebammen sind der Link zu den Familien, die Hilfe brauchen. Idealerweise wirken die Frühen Hilfen als eine Art Netzwerkmanagement, das Probleme erkennt und Abhilfe schafft.

Ein Beispiel: Bei sozialen Nöten kann ein Sozialarbeiter zugezogen werden, der jungen Eltern durch das Sozial- und Gesundheitssystem lotsen kann, etwa wenn das Geld für die Wohnungsmiete fehlt. Wenn Eltern von einem Schreibaby oder von Zwillingen überfordert sind oder eine junge Mutter eine Wochenbettdepression hat kann eine Psychologin sinnvoll sein.

Profis kennen Adressen von Mütter- oder Väter-Treffs, junge Mütter und Väter meist nicht. Eltern helfen, sich selbst zu helfen, ist das Konzept, mit dem man die Chancengleichheit von Kindern gewährleisten hilft. Ein Führerschein fürs Familienleben sozusagen. (Karin Pollack, 3.2.2019)