So manche Veränderung der vergangenen Jahre war weniger im Sinne der Nutzer als in jenem der Hersteller.

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Eines ist unzweifelhaft: Smartphones haben sich in den vergangenen Jahren massiv weiterentwickelt. Ihre Bildschirme haben eine Qualität erreicht, die lange undenkbar war. Die Performance ist erheblich besser geworden, und aktuelle Smartphone-Kameras liefern Ergebnisse, die weit von dem entfernt sind, was die ersten Vertreter dieser Gattung geboten haben. Und doch: Ganz so einseitig ist der Weg des Fortschritts bei näherer Betrachtung doch nicht. Denn es gibt auch Dinge, die sich in den vergangenen Jahren zum Schlechteren verändert haben. Doch der Reihe nach.

Materialien

Es gehört zu den absurdesten Phänomenen der Smartphone-Welt: Da wird in Tests und Kommentaren lange über das Aussehen eines Smartphones diskutiert, und auch bei der Kaufentscheidung vieler Konsumenten spielt der Look oftmals eine wichtigere Rolle als die inneren Werte eines Geräts. Und dann wird das Gerät üblicherweise sofort in eine Hülle gepackt, wodurch von all der gerade noch beschworenen Haptik und dem tollen Design exakt nichts mehr übrig bleibt.

Groß, rutschig, zerbrechlich: Wer ein aktuelles Smartphone ohne Hülle betreibt, geht damit ein erhebliches Risiko ein.
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Der Grund dafür ist ein simpler: Aktuelle Smartphones sind äußerst zerbrechlich. Während die Hersteller gerne über angeblich immer bruchsicheres Glas sprechen, ist die Gefahr, dass ein Smartphone schon bei einem Fall aus geringer Höhe dauerhaften Schaden nimmt, so hoch wie noch nie. Das liegt vor allem an der Materialwahl: Die Hersteller haben bemerkt, dass Konsumenten Oberflächen wie Glas oder Keramik als hochwertiger wahrnehmen. Beide sind aber erheblich anfälliger für Beschädigungen, als es die in der Frühzeit der Smartphones dominierenden Kunststoffe waren.

Auch die gerne verbauten Metallrahmen haben dazu geführt, dass die Smartphones zwar stabiler geworden sind, die Kraft des Aufpralls aber vermehrt auf das Display abgeführt wird. Zu alldem kommen noch aktuelle Designtrends wie seitlich abgerundete Glaskanten, die die Wahrscheinlichkeit einer Beschädigung weiter erhöhen. Kunststoff mag als billiger wahrgenommen werden – aber wer ein robustes Smartphone haben will, ist damit besser bedient. Oder, besser gesagt: Er wäre besser bedient, denn jenseits von Billiggeräten kommt dieses Material kaum mehr zum Einsatz.

Fix verbaute Akkus

Es ist noch gar nicht so lange her, da gab es eine sehr simple Lösung, wenn der Akku des eigenen Smartphones nicht durch den Tag reichte: einfach einen Ersatzakku einpacken und bei Bedarf tauschen. Doch das gehört mittlerweile weitgehend der Vergangenheit an. Es gibt kaum ein aktuelles Smartphone, bei dem die Käufer noch problemlos selbst den Akku auswechseln können. Wer einen Tausch vornehmen will, muss üblicherweise Experten um Hilfe fragen, und selbst das ist angesichts immer stärker verklebter und abgedichteter Gerät mit steigenden Risiken verbunden.

Die Zeiten, in denen die Nutzer schnell einmal selbst den Akku tauschen konnten, sind weitgehend vorbei.
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Aus Sicht der Hersteller hat das gleich mehrere Vorteile: Einerseits kann man so kompaktere Geräte bauen und hat auch mehr Freiheit bei der Materialwahl. Zudem führt dies natürlich dazu, dass sich die Konsumenten bei langsam nachgebender Akkukapazität schnell mal nach einem komplett neuen Smartphone umsehen. Und das ist natürlich auch nicht gerade unangenehm für die Anbieter. Den Käufern ist hingegen dadurch einiges an Flexibilität verlorengegangen.

Handlichkeit

Zunächst noch verlacht, hat Samsung einst mit dem Galaxy Note einen Trend losgetreten, der die Smartphone-Welt nachhaltig verändern sollte: jenen zu Geräten mit immer größerem Bildschirm. Und klar: Wer sein Smartphone dauernd benutzt und darüber auch regelmäßig Videos betrachtet, der freut sich natürlich über jedes zusätzliche Stück Bildschirm. Und doch hat diese Entwicklung auch eine Kehrseite: Aktuelle Smartphones sind so unhandlich wie nie zuvor.

Galt früher etwa für Apple lange ein Gerät mit 4-Zoll-Bildschirm als geradezu ideal, werden heute schon Smartphones mit 5,5-Zoll-Display als kompakt bezeichnet. Und selbst wer sich damit zufriedengibt, findet nur mehr eine sehr dünne Auswahl, will er gleichzeitig ein Gerät mit aktueller Topausstattung. Darunter wird es dann ohnehin düster. Dabei wäre es durch den aktuellen Trend zu immer weiter an den Rand reichende Displays mittlerweile möglich, besonders handliche Smartphones anzubieten, die noch immer einen relativ großen Bildschirm aufweisen. Doch derzeit scheint kein Hersteller gewillt, diese Nische zu füllen.

Aber es ist nicht nur die Größe, die dazu führt, dass aktuelle Smartphones so unhandlich wie noch nie sind. Der Trend zu immer schmaleren Seiten oder gar Abrundungen in Kombination mit glatten Oberflächen lässt das Smartphone leicht aus der Hand rutschen. Womit wir dann auch gleich der Bogen zum vorherigen Punkt gezogen wäre.

Kopfhörerstecker

Es gab eine Zeit, da konnte man die eigenen Kopfhörer mit jedem beliebigen Smartphone verbinden. Doch dann entschlossen sich die Hersteller, die Miniklinkenbuchse einfach zu streichen. Also gibt es heute zwei Möglichkeiten: Entweder greift man zu drahtlosen Kopfhörern oder aber zu einem mit Lightning-Anschluss. Also zumindest wenn man ein iPhone besitzt. Denn wer ein Android-Gerät hat, braucht natürlich ein Modell mit USB-C-Stecker. Oder einen Adapter, der alte Kopfhörer anbindet – und der natürlich immer dann, wenn man ihn wirklich braucht, wieder mal irgendwo verlegt wurde.

Das Meizu Zero zeigt, wohin die Reise geht. Künftige Smartphones sollen am besten ganz ohne Anschlüsse nach außen auskommen.
Foto: Meizu

Auch hier sind die Vorteile für die Hersteller evident: Es geht darum, physische Anschlüsse und Öffnungen nach und nach loszuwerden. Das erleichtert die Abdichtung der Geräte, gibt mehr Freiheit im internen Aufbau und minimiert auch Garantieansprüche, weil so eine Miniklinkenbuchse einer dauernden physischen Belastung ausgesetzt ist. Die Konsumenten haben hingegen einen seit Jahrzehnten etablierten Standard verloren, der nicht nur plattformunabhängig war, sondern auch ohne jegliches digitales Rechtemanagement und andere potenziell für die Konsumenten nachteilige Technologien auskam.

Preis

Als das erste iPhone auf den Markt kam, galt es als geradezu unverschämt teuer: Satte 399 US-Dollar wollte Apple für das Modell mit 4 GB lokalem Speicherplatz, eine Ausführung mit 8 GB wurde um 499 verkauft – noch dazu mit zwei Jahren Bindung an den Provider. Google brachte das erste Android-Smartphone, das T-Mobile G1 (HTC Dream), um 399 Dollar auf den Markt – vertragsfrei. Im Vergleich zu aktuellen Topgeräten war all das aber geradezu ein Schnäppchen. Die besten Modelle von Apple, Samsung und Co sind mittlerweile weit über der 1.000-Euro-Grenze angesiedelt. Gerade in den vergangenen zwei Jahren hat es hier einen deutlichen Preissprung gegeben.

Klar: Aktuelle Geräte können auch erheblich mehr als die ersten Vertreter dieser Sparte. Das ist aber vor allem dem technologischen Fortschritt zu verdanken. In der Produktion sind sie längst nicht so viel teurer geworden, dass damit ein solcher Sprung zu erklären wäre – und auch die Inflation taugt in diesen Größenordnungen nicht mehr als Begründung. In Wirklichkeit ist es einfach so, dass die führenden Hersteller sich stillschweigend darauf geeinigt haben, ihre Gewinnmarge zu vergrößern. Immerhin ist das im Interesse aller – also wenn wir jetzt einmal von den Käufern absehen.

Nun sei gar nicht geleugnet, dass der technologische Fortschritt es möglich gemacht hat – zumindest unter Android –, erheblich billigere Geräte zu kaufen, die noch immer sehr gut sind. Wer aber wirklich absolute Topmodelle haben will, der muss erheblich tiefer in die Tasche greifen, als es noch vor nicht allzu lange Zeit der Fall war. (Andreas Proschofsky, 10.2.2019)