Jeff Bezos, Amazon-Gründer, Eigentümer der "Washington Post" und reichster Mann der Welt, zierte zuletzt regelmäßig die Seite eins des "National Enquirer".

Foto: National Enquirer via AP

Er werde sich nicht einschüchtern lassen, schrieb Jeff Bezos, als er publik machte, womit ihm der Medienunternehmer David Pecker, ein alter Vertrauter Donald Trumps, drohte. Ursprünglich wollte der Gründer des Online-Kaufhauses Amazon herausfinden, wer Fotos und Textnachrichten aus seinem Liebesleben an Peckers Verlagshaus AMI weitergegeben hatte, unter dessen Dach das schrille Boulevardblatt National Enquirer erscheint. Im Laufe der Recherche glaubte er politische Motive erkennen zu können. Worauf ihm AMI nahelegte, die Nachforschungen einzustellen, sonst würden Fotos von "unter der Gürtellinie" veröffentlicht.

Das Duell sorgt schon deshalb für Furore, weil man es als Kraftprobe zwischen dem wohlhabendsten und dem mächtigsten Mann der Welt verstehen kann. Bezos ist Besitzer der Washington Post. Indem er kräftig in die Redaktion investierte, ohne deren Unabhängigkeit anzutasten, bewahrte er das Blatt vor dem schleichenden Bedeutungsverlust. Neben der New York Times ist es vor allem die Washington Post, die immer wieder Brisantes aus dem Innenleben des Weißen Hauses enthüllt.

Trump wiederum kann sich hundertprozentig auf seinen Freund Pecker verlassen, was allein schon die Causa Karen McDougal zeigt. Als das Playboy-Model über eine Affäre mit dem Immobilienmogul plaudern wollte, erwarb AMI sämtliche Rechte an der Story – um sie ad acta zu legen, um Trump kurz vor der Wahl 2016 Peinlichkeiten zu ersparen.

97 Seiten Huldigung

Wenn es darum geht, umstrittene Entscheidungen Trumps zu verteidigen, marschiert der New Yorker in der ersten Reihe. Nachdem Trump den Pakt mit Saudi-Arabien zur Säule seiner Nahostpolitik erklärt hatte, druckte AMI eine Sonderausgabe über das "Neue Königreich" unter Führung seines Kronprinzen Mohammed bin Salman. 97 Seiten Huldigung.

Dies ist das Umfeld, in dem die verworrene Geschichte um Bezos spielt. Seine Affäre mit Lauren Sanchez, einst Moderatorin einer Fernsehshow, ist kein Geheimnis mehr, seit sich der Multimilliardär Anfang Jänner in einem Tweet zu ihr bekannte. Kurz darauf kündigte er die Scheidung von MacKenzie Bezos an, der Frau, die er 1993 geheiratet hatte und die de facto seine Buchhalterin war, als er Amazon in einer Garage in Seattle gründete und Pakete mit Büchern noch selber zur Post brachte.

Privatdetektiv engagiert

Beim Enquirer hatten sie bereits im Herbst 2018 Wind von der Beziehung des Unternehmers zu Sanchez bekommen. Schon damals stellten Reporter den beiden nach, etwa in Restaurants und Hotels in Beverly Hills. Nachdem das Ehepaar Bezos die Trennung bekanntgegeben hatte, druckte die Postille, was man ihr zugespielt hatte. Um herauszufinden, woher das Material stammte, engagierte Bezos den Privatdetektiv Gavin de Becker, den König der Branche. Dann, Ende vergangener Woche, ließ er eine Bombe platzen, indem er den Verdacht auf die Regierung Saudi-Arabiens lenkte.

Die Tatsache, dass er die Washington Post besitze, mache sein Leben kompliziert, schrieb Bezos. Zwangsläufig würden "gewisse mächtige Leute", denen nicht gefalle, was die Zeitung schreibe, daraus den falschen Schluss ziehen: nämlich dass er ihr Feind sei. Trump gehöre dazu – und die unbeugsame Art der Berichterstattung über den Mord an Jamal Khashoggi, einen saudi-arabischen Kolumnisten der Zeitung, sei in gewissen Kreisen "zweifellos unpopulär".

Dass Riad hinter dem Erpressungsversuch stehen könnte, hat in Washington für Furore gesorgt – und AMI zu einem Dementi gezwungen. "Es war nicht das Weiße Haus, es war nicht Saudi-Arabien", beteuerte Elkan Abramowitz, ein Firmenanwalt, auf ABC News. Vielmehr stamme das Material aus einer Quelle, auf die man sich bereits seit sieben Jahren stütze. Berichten der Onlineplattform Daily Beast zufolge handelt es sich um Michael Sanchez, den Bruder der Bezos-Geliebten. Angeblich ist er ein glühender Anhänger Trumps.(Frank Herrmann aus Washington, 11.2.2019)