Der WM-Austragungsort steht nicht zum ersten Mal im Zentrum von Wetterkapriolen, die Veranstalter und Athleten vor große Herausforderungen stellen.

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Fis-Damen-Renndirektor Atle Skårdal: "Es gibt nirgends auf der Welt eine Garantie."

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In Åre, so merken die Kritiker jetzt an, sollte nicht zuletzt wegen der exponierten Lage und der nicht selten auftretenden Wetterkapriolen keine WM ausgetragen werden. Die Vorkommnisse in den vergangenen Tagen verleihen solchen Ansichten durchaus Gewicht. Erst das Chaos bei der mit bis zu zwei Tagen verzögerten Anreise, dazu heftige Schneefälle, stürmischer Wind, dichter Nebel, vereinzelte Regenschauer und Temperaturschwankungen, die Veranstaltern und Athleten Sorgenfalten auf die Stirn trieben. Als Folge der widrigen Bedingungen wurden bei den Damen wie auch bei den Herren neben den Kombi- auch die Spezial-Abfahrtsrennen drastisch verkürzt, sie gerieten beinahe zur Farce.

Die Slowenin Ilka Stuhec holte sich nach einer Einsatzzeit von lediglich 1:01,74 Minuten Gold, der Nettoarbeitstag von Weltmeister Kjetil Jansrud betrug auch nur 1:19,98 Minuten. Für den Gewinn der Königsdisziplin hat es schon angemessenere Herausforderungen gegeben.

Zudem könnte sich der geneigte Skisportfan über den Stellenwert und die Sinnhaftigkeit der seit Jahren zur Diskussion stehenden Kombination wundern. Aussichtsreiche Athleten wie Mikaela Shiffrin (Silber bei Olympia 2018) oder Marcel Hirscher, Goldmedaillengewinner in Pyeongchang, verzichteten auf einen Start. Zudem nützten viele Damen den Bewerb als Testfahrt für die Abfahrt und traten im Slalom nicht mehr an. Und der oftmals als innovativ und publikumswirksam dargestellte Teambewerb ließ nach dem Fernbleiben einiger großer Nummern Fragen offen. Warum verzichten die USA komplett auf einen Start? Wie ist es um den sportlichen Wert dieses Events bestellt? Ist diese Art von Show die Zukunft des Skisports?

Kongresse im Süden

Themen wie diese wurden seit Jahren und auch am Mittwoch beim Fis-Meeting im WM-Ort diskutiert. Dort wurde auch über die Zukunft des leidigen Themas Kombination, immerhin auch ein olympischer Bewerb, den man nicht einfach aufgeben möchte, debattiert. Der Bewerb bleibt jedenfalls bei der nächsten WM in Cortina d'Ampezzo im Programm. Das teilte der Internationale Skiverband nach der Sitzung mit. Gelegenheit für eine Entscheidung hätte es auch schon – unter angenehmeren äußeren Bedingungen – bei den Fis-Kongressen in Costa Navarino (Griechenland 2018), Cancún (Mexiko 2016), Barcelona (2014), in Kangwonland (Südkorea 2012), Antalya (2010), Kapstadt 2008, Vilamoura (Portugal 2006) oder Miami 2004, fernab der Skidestinationen, gegeben.

Atle Skårdal kann die Aufregung nicht ganz nachvollziehen. "Es ist natürlich eine Herausforderung, wenn Wetter und Temperaturen nicht hundertprozentig mitspielen. Es gibt nirgends auf der Welt eine Garantie, man muss auch das notwendige Glück haben. Man kann sich nur sehr gut vorbereiten und hoffen, dass es dann einigermaßen passt", sagt der Damen-Renndirektor.

Das Tüpfelchen auf dem i

Schlussendlich aber brauche jede Veranstaltung einen gewissen Verlauf, damit auch das letzte Tüpfelchen auf dem i gesichert sei. Der für die Herrenrennen zuständige Markus Waldner versichert, es werde "alles unternommen, um die Rennen unter akzeptablen Verhältnissen runter zu bringen". Es könne überall schwierig sein, wenngleich es einfachere Berge gebe, aber der Klimawandel sei zu spüren. "Auf der Alpensüdseite ist es ein bisschen trockener, da haben wir weniger zu kämpfen. Hier haben wir den Golfstrom." Es gebe extreme Schwankungen allerdings auch andernorts, "so wie es sie früher nur in Chile und Neuseeland mit vier Jahreszeiten an einem Vormittag gegeben hat". Das aber sei höhere Gewalt.

Die einzige Alternative zu Åre bei der Vergabe war Cortina d'Ampezzo. Der Austragungsort der Olympischen Winterspiele 1956 in den Dolomiten ist Ausrichter der WM 2021. Skårdal: "Åre hat eine sehr gute Kampagne hingelegt, und wenn Schweden nicht gut genug sein soll für eine WM, dann frage ich mich, wo man am Schluss fahren soll."

Unmutsäußerungen

Die Verhältnisse sorgten auch für Unmut bei manchen Athleten, vor allem bei den Geschlagenen. Romed Baumann, der in der Kombiabfahrt vor dem Zielsprung gerade noch einen Sturz verhindern konnte, beanspruchte viel Fortune. Die nicht ideal präparierte Stelle, von Vincent Kriechmayr allerdings als "nicht so schlimm" bezeichnet, wäre ihm beinahe zum Verhängnis geworden.

Italiens Super-G-Weltmeister und Führender nach der Kombiabfahrt, Dominik Paris, schimpfte: "Erst gab es eine Babyabfahrt, dann den Slalom auf einer derart schlechten Piste." Auch Marco Schwarz bekrittelte nach Bronze in der Kombi, der Hang sei nicht so präpariert worden, wie es Weltcup-Standards entspreche.

Und auch nach der Spezialabfahrt gab es Aufregung. Beat Feuz, Abfahrtsweltmeister von 2017, stellte nach Platz vier in dem von dichtem Schneetreiben geprägten Rennen enttäuscht fest: "Unwürdig für eine WM." Deutschlands Alpin-Direktor Wolfgang Maier klassifizierte die Veranstaltung als "grenzwertig". Waldner: "Die Fis kann nicht allein entscheiden, bei der WM gibt es das Emergency-Komitee, wo Organisations-Komitee, Jury, der Fis-Präsident, die Generalsekretärin und die Werbe- und TV-Rechte-Inhaber dabei sind. Wenn ein Plan vorgeschlagen wird, muss er akzeptiert werden. Wenn nicht, muss ein Plan B ausgearbeitet werden."

Am Mittwoch, dem Ruhetag, fegte bei Regen starker Wind durch das Tal. Selbst die Austragung eines Slaloms wäre bei diesen Bedingungen eine immense Herausforderung gewesen. Schon beim Weltcupfinale 2018, der WM-Generalprobe, mussten wegen Sturms und Schneefalls Herren-Slalom und Damen-Riesentorlauf abgesagt, Abfahrten und Super-Gs verkürzt werden. Skårdal blickt mit Sorge voraus: "In den nächsten Tagen werden wir nochmal geprüft, weil es jetzt in die Plusgrade gehen wird. Wir haben eigentlich alles erlebt, von minus 25 bis plus fünf Grad. Das wird eine neue Riesenherausforderung für das OK." (Thomas Hirner, 13.2.2019)