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Didi Kühbauer: "Es ist nicht schön, dass man die Partie mit so einem Tor verliert."

Foto: Reuters/Niesner

Wien – Rapid hat im Europa-League-Sechzehntelfinale schlechte Karten. Mit dem 0:1 gegen Inter Mailand am Donnerstag vergrößerte sich die Favoritenrolle der Italiener noch einmal. Ihnen reichte im Allianz-Stadion ein minimalistischer Auftritt. Die Rapidler haderten mit einer strittigen Elferentscheidung.

Nicht das klare Foul von Manuel Thurnwald an Lautaro Martinez ärgerte die Hütteldorfer. Unmittelbar davor war der stolpernde Ivan Perisic vor Marvin Potzmann hingefallen und hatte diesen somit behindert. "Ich habe es als Foul empfunden", betonte Potzmann. Dietmar Kühbauer sah es genauso. "Ich glaube, es waren einige Leute im Stadion, und es wird wenige geben, die sagen, der Elfmeter ist zu geben. Irren ist menschlich, es kann passieren, die alte Leier halt", sagte der Rapid-Trainer. "Es ist nicht schön, dass man die Partie mit so einem Tor verliert." Das sah auch Abwehrroutinier Mario Sonnleitner so, der in der ersten Hälfte eine Platzwunde erlitt: "Dass du so ein Tor bekommst, ist sehr, sehr bitter."

Der entscheidende Treffer fiel in der 39. Minute, Martinez verwandelte am 26. Geburtstag von Rapid-Tormann Richard Strebinger souverän. Zu dem Zeitpunkt war die Führung völlig verdient. Den mit einer sehr defensiven Aufstellung begonnenen Wienern fehlte vor der Pause im Duell mit dem Tabellendritten der Serie A jeglicher Mut. "In der ersten Hälfte haben wir zu viel Respekt gehabt. Es war unsere erste Partie und da haben wir gleich Inter Mailand vor der Brust. Da waren wir zu ängstlich, viel zu verhalten und haben nach den Ballgewinnen viel zu hektisch nach vorne gespielt", analysierte Sonnleitner. Auf eine Torchance wartete man da vergebens. "Das war spielerisch nicht das, was man braucht, damit man Inter in die Knie zwingen kann", meinte Kühbauer.

Pausenansprache fruchtete

Seine Pausenansprache fruchtete, Rapid zeigte nach Wiederbeginn ein anderes Gesicht – auch dank der eingewechselten Philipp Schobesberger und Christoph Knasmüllner, die die Offensive belebten. Dass die beiden genauso wie der im Finish gekommene Thomas Murg zu Beginn nur auf der Bank saßen, sah Kühbauer auch im Nachhinein als richtig an. "Ich weiß genau, dass die Mannschaft, die am Platz war, physisch stärker war. Wir hätten sonst vielleicht die eine oder andere Chance mehr gehabt, aber hinten die Löcher nicht so schließen können." Es sei der Plan gewesen, nach und nach mehr Kreativität ins Spiel zu bringen. "In der zweiten Hälfte haben wir viel mehr Ballkontrolle gehabt, mutiger gespielt. Da hat Inter gesehen, dass wir auch gut Fußball spielen können."

Aus der Sicht von Boli Bolingoli wäre es besser gewesen, schon vor der Pause offensiver aufzutreten, "das ist unser Spiel". Wirklich gefährlich wurde man nur einmal, bei einer schön herausgespielten Aktion und einem Abschluss von Ex-Inter-Kicker Knasmüllner reagierte Neo-Kapitän Samir Handanovic in der 66. Minute glänzend. "Eine Niederlage ist nie gut, aber Inter hat schon gezeigt, dass sie hohe Qualität haben, und wir haben es defensiv gut gemacht zu den meisten Teilen", meinte Strebinger.

"Die Aufgabe ist nicht einfacher geworden"

Im Rückspiel ist das zu wenig, müssen Tore her. "Die Aufgabe ist nicht einfacher geworden, Inter hat nicht viele Gegentore kassiert in den vergangenen Wochen. Wir werden aber alles daransetzen, das Unmögliche möglich zu machen", so Kühbauer. Vor allem der Auftritt nach der Pause machte seinen Kickern Hoffnung. Sonnleitner: "Da haben wir gezeigt, dass wir, wenn wir konzentriert und einfach spielen, auch Inter Mailand reindrücken können. Das muss uns Kraft geben."

Vor dem Rückspiel am Donnerstag (21 Uhr) im Giuseppe-Meazza-Stadion startet Rapid im ÖFB-Cup-Viertelfinale gegen den TSV Hartberg ins nationale Geschehen. "Die Chance lebt, sie ist aber natürlich schlechter als vorher. Wir werden alles probieren, zuerst ist aber einmal das Cupspiel am Sonntag wichtig", sagte Sonnleitner. Da wartet ein ganz anderes Spiel. (APA, 15.2.2019)