Belästigung von Frauen im Netz als Thematik hitziger Diskussionen. Wie können bessere Schutzmechanismen geschaffen werden?

Foto: Dado Ruvic

Beleidigende Nachrichten. Unautorisierte Weitergabe von Bildern und Inhalten. Wiederholtes Schreiben angsterregender Mitteilungen – nur ein Teil jener Problematiken, mit denen sich Frauen auf Facebook tagtäglich konfrontiert sehen. Eine neue Studie der englischen Aktivistinnengruppe "Level Up" macht auf bestehende Probleme aufmerksam, wie der Guardian informiert.

Wenig bis kein Vertrauen in Facebook

Insgesamt 29 Prozent der 1000 befragten Frauen gaben an, schon einmal Opfer von Belästigung auf Facebook gewesen zu sein. Ferner seien viele Frauen darauf hingewiesen worden, dass die gemeldeten Fälle gegen keine Richtlinien verstoßen. Daher seien keine Maßnahmen gefolgt.

Inwiefern der Belästigung von Frauen auf Facebook konstruktiv und nachhaltig gegengesteuert und ein Ende gesetzt werden kann, ist ein Thema hitziger Diskussionen. Mehr als die Hälfte der befragten Gruppe sprachen Facebook momentan kein ausreichendes Vertrauen zu, mit Fällen von Belästigung angemessen umgehen zu können. 72 Prozent sehen Bedarf für eine Aufstockung von Facebooks Moderatorenteam.

Besonders gefährdete Gruppen

Die erhobenen Daten zeigen zudem, dass zwei Gruppen besonders häufig negative Erfahrungen machen. 65 Prozent der Frauen unter 25 Jahren und 40 Prozent aller farbigen Befragten wurden mindestens ein Mal auf Facebook belästigt.

Die Kampagnenleiterin von Level Up, Janey Starling, beschuldigt Facebook, das Thema nicht ernst genug zu nehmen. Es sei notwendig, Strategien in der Erkennung von bestehenden Problemen zu verbessern. Hier sei Facebook besonders gefordert, Nuancen in den verschiedenen Arten von Belästigung im Netz zu erfassen. Vor allem das Melden von Fällen, so die Aktivistin, soll erleichtert werden.

Ergebnisse "extrem besorgniserregend"

Eine Sprecherin von Amnesty International UK zeigte sich "extrem besorgt" angesichts der neuen Daten. Soziale Netzwerke würden immer wieder Versprechungen machen, Verbesserungen im Umgang mit Fällen von Diskriminierung, Mobbing oder Drangsalierungen von Frauen im Netz vorzunehmen. Bisher sei davon wenig zu erkennen.

Im Gegenteil: Viele Frauen würden sich wegen fehlender Schutzmechanismen zum Schweigen im Netz verdammt fühlen, anstatt die Angst vor Belästigung online zu thematisieren. (red., 05.03.2019)