Entnehme einer einzelnen Zelle aus einem menschlichen Embryo im Achtzellenstadium. Veränderungen der DNA in diesem Stadium sollen vorerst international untersagt bleiben, fordern angesehene Experten.

AP

London – Die Nachricht schlug Ende November wie eine Bombe ein und sorgte für heftige Diskussionen, die nach wie vor anhalten: Der chinesische Forscher He Jiankui ließ damals verlauten, dass zwei Babys geboren worden seien, deren Genom er manipuliert habe, um sie gegen HIV zu schützen. Dreieinhalb Monate später reagieren nun Pioniere des Genome-Editing – einer Technik, die solche Eingriffe wesentlich erleichterte – und Bioethiker in einem Kommentar im Fachblatt Nature auf dieses Ereignis und seine unabsehbaren Folgen.

Pioniere des Genome Editing

Die Experten schlagen in diesem Text ein internationales Moratorium für den klinischen Einsatz der Gen-Schere CRISPR in der menschlichen Keimbahn vor. Unter den korrespondierenden Autoren des Kommentars finden sich viele Protagonisten des Forschungsbereichs wie Emmanuelle Charpentier, der am Dienstag übrigens in den USA ein drittes CRISPR-Patent zuerkannt wurde, ihr Patent-Rivale Feng Zhang (Broad Institute in Cambridge, USA), Eric Lander oder Paul Berg, der bereits bei den Regulierung der Gentechnik im Rahmen der Asilomar-Konferenz 1975 eine zentrale Rolle spielte. Damals wurde ein ähnliches Moratorium in Sachen Gentechnik abgesegnet.

Diese Zeit dieses neuen Moratoriums soll vor allem für öffentliche Diskussionen über wissenschaftlich und gesellschaftlich begründete Anwendungen genützt werden, um zuerst einen Konsens über die Sinnhaftigkeit und Vertretbarkeit solcher Anwendungen herzustellen. Erst danach soll es einen gewissen Spielraum für den Umgang mit spezifischen Anwendungen geben.

Differenzierung nach Anwendungen

Den Verzicht beziehen die Autoren, die aus sieben Ländern kommen, explizit nur auf die klinische Anwendung der Keimbahntherapie beim Menschen; Forschung und somatische Gentherapien seien davon ausgenommen. Die klinische Anwendung unterteilen die Autoren in ihrer Bewertung in die Korrektur von der Norm abweichender Gendefekte und in die "Verbesserung" des Menschen – wie bei den beiden Babys, deren Keimbahn He Jiankui manipuliert hatte. Als Beispiel für die Korrektur von Gendefekten gehen sie vor allem auf Paare mit Erbkrankheiten ein, die mittels In-vitro-Fertilisation und Genome-Editing gesunde Kinder bekommen könnten.

Experten, die nicht am Text in Nature beteiligt waren, begrüßen den Vorstoß grundsätzlich, sind aber vor allem hinsichtlich des konkreten Vorgehens auch skeptisch. So etwa gab der Medizinrechtler Jochen Taupitz (Uni Heidelberg und Uni Mannheim) zu bedenken, dass die politisch-praktische Umsetzung des Moratoriums schwierig sei. (tasch, 14.3.2019)