Ján Kuciak und seine Verlobte Martina Kusnirova wurden am 21. Februar 2018 ermordet.

Foto: AP Photo/Darko Vojinovic, File

Bratislava – Der slowakische Geschäftsmann und Multimillionär Marián Kočner wird von den Ermittlern beschuldigt, die Ermordung des Journalisten Jan Kuciak im Februar 2018 angeordnet zu haben. Der Mord sei durch die Recherchen des Investigativjournalisten motiviert gewesen, erklärte die Staatsanwaltschaft in Bratislava am Donnerstag.

Es gebe dafür einen objektiven Beweis, der derzeit aber nicht öffentlich gemacht werden dürfe. Gegen den 55-jährigen Kočner sei am 8. März Anklage erhoben worden. "Die Tatwaffe haben wir noch nicht gefunden, aber wir haben Belege dafür, um welche Art Waffe es sich handelt", erklärte ein Sonderstaatsanwalt, dessen Name aus Sicherheitsgründen nicht mitgeteilt wurde.

Recherchen über Kočners Unternehmen

Der 27-jährige Kuciak und seine Verlobte Martina Kušnírová waren in ihrem Dorf Velka Maca, 65 Kilometer östlich von Bratislava, erschossen worden. Der Reporter hatte zu Verbindungen zwischen der italienischen Mafia und slowakischen Politikern recherchiert. Sein unvollendeter Artikel wurde nach seinem Tod veröffentlicht. Auch mit betrügerischen Machenschaften im Zusammenhang mit EU-Fördergeldern für die Landwirtschaft sowie mit den Geschäften von Kočners zahlreichen Unternehmen hatte sich Kuciak befasst.

Der Mord und die postume Veröffentlichung seines Artikels hatten Massendemonstrationen gegen die Regierung ausgelöst und schließlich zum Rücktritt von Ministerpräsident Robert Fico geführt. Seine Nachfolge trat im März 2018 Peter Pellegrini an.

Im September 2018 hatte die Polizei vier Tatverdächtige festgenommen, unter ihnen Kocners ehemalige Dolmetscherin. Kočner saß zu dieser Zeit bereits seit Juni 2018 wegen Betrugs im Gefängnis. Er hatte Kuciak überwachen lassen und bedrohte den Journalisten am Telefon, wie dessen ehemaliger Chefredakteur Peter Bardy im September 2017 erklärte. Kuciak meldete den Drohanruf bei den Behörden, es geschah jedoch nichts. Medienberichten zufolge unterhielt Kočner Verbindungen zu Mitgliedern der sozialdemokratischen Regierungspartei Smer-SD, deren Vorsitzender weiterhin Fico ist. (APA, 14.3.2019)