Am 4. August des Vorjahres unterbrachen zwei Explosionen eine Ansprache des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro. Die Teilnehmer der Militärparade, die vor dem Rednerpult vorbeizog, brachen in Panik aus und verließen die Formation, Leibwächter beeilten sich, den Staatschef mit schusssicheren Schilden abzudecken, sieben Nationalgardisten erlitten Verletzungen.

An der offiziellen Version, dass es den Personenschützern gelungen sei, zwei sprengstoffbeladene Drohnen per Fernzündung zur Explosion zu bringen, bevor diese ihr Ziel erreichten, wurden bald Zweifel laut. Parlamentspräsident und Oppositionsführer Juan Guaidó erklärte noch dieser Tage, er gehe davon aus, dass der Zwischenfall von der Regierung organisiert worden sei, um sich als Opfer darstellen zu können.

Leibwächter versuchen Maduro in Sicherheit zu bringen.
Foto: AP/Xinhua

Auch US-Präsident Donald Trumps Nationaler Sicherheitsberater John Bolton blies ins gleiche Horn und erhob den Vorwurf, der gescheiterte Anschlag solle als Vorwand für ein härteres Vorgehen gehen die Opposition dienen.

Angreifer gaben Interview

Dem US-Sender CNN ist es gelungen, mit den Organisatoren des weltweit ersten Drohnenattentats auf einen Staatschef zu sprechen. Die gescheiterten Attentäter stellten auch Videomaterial zur Verfügung, das die Vorbereitungen auf den Anschlag zeigt. Auf die Frage, warum sie den Tod unbeteiligter Zivilisten in Kauf nahmen, erklärt einer der Angreifer, dieses Risiko habe man eingehen müssen.

Das CNN-Interview mit dem gescheiterten Attentäter.
CNN

Die beiden handelsüblichen Drohnen kamen von einem US-Versandhaus, erklärt einer der ehemaligen Soldaten, und wurden mit militärischem Sprengstoff beladen. Tagelang übte die Gruppe dann, die Fluggeräte in großer Höhe in die Nähe des Ziels zu bringen und dann im Sturzflug auf dieses zu lenken. Für die Versuche mieteten sie ein Landhaus in Kolumbien, wo sei unter verschiedensten Bedingungen den Anflug zu perfektionieren versuchten.

Unmittelbar nach dem gescheiterten Anschlag hatte Präsident Maduro die Regierung des Nachbarlandes beschuldigt, die die Vorwürfe zurückwies. Auch die Attentäter erklären im CNN-Interview, dass die Behörden ihres Gastgeberlandes nicht über die Vorbereitungen informiert waren.

Die Militärparade löst sich auf.
Foto: Reuters/VENEZUELAN GOVERNMENT TV

Allerdings habe man sich nach dem gescheiterten Anschlag dreimal mit US-Regierungsvertretern getroffen, die Informationen über den Angriff sammeln wollten und im Gegenzug die Gruppe unterstützen sollten. Die Amerikaner hätten ihre Wünsche aufgeschrieben, sich aber dann nicht mehr gemeldet, erklärte ein Drohnenpilot. Ein Sprecher des US-Außenministeriums wollte gegenüber CNN nicht auf die Vorwürfe eingehen, betonte aber, man unterstütze einen friedlichen Übergang in Venezuela. (bed, 18.3.2019)