Googles Cloud-Gaming-Dienst wird vorerst nicht in Österreich starten.

Foto: Getty/Sull

Mit "Stadia" hat Google eine neue Cloud-Gaming-Plattform ins Leben gerufen, die bisherige Anbieter in den Schatten stellen soll. Games sollen bei dem Dienst einfach gestreamt werden. Spieler können etwa einen Trailer auf Youtube betrachten und dann nach fünf Sekunden in das gezeigte Spiel einsteigen. "Stadia" soll bereits heuer an den Start gehen. Wie dem STANDARD mitgeteilt wurde, zählt Österreich allerdings nicht zu jenen Ländern, die zum Launch dabei sind. Die Google-Keynote am Dienstagabend ließ ferner einige Fragen offen, die von Phil Harrison, Chef von Google Gaming, gegenüber Medien beantwortet wurden.

Google

Welche Bandbreite ist nötig?

Um ohne Latenzprobleme bei einer Auflösung von 1080p und 60 Bildern pro Sekunde zu spielen, bedarf es laut dem Hersteller eine Internetverbindung, die mindestens 25 Megabit pro Sekunde liefert. In Österreich liegt der Median der Download-Geschwindigkeiten laut RTR-Internet-Monitor bei rund 20 Megabit/s. Bei einer Auflösung von 4K wird laut Google eine Bandbreite von 30 Mbit/s vorausgesetzt. Laut dem Hersteller wird die Auflösung je nach Verbindung im Hintergrund angepasst.

Digital Foundry

Latenzproblem beseitigt?

"Digital Foundry" ist der Frage nachgegangenen, ob Google das altbekannte Latenzproblem beim Streaming von Games in den Griff bekommen hat. Das Medium konnte einen ersten Blick auf "Stadia" werfen und mit einer 200-Mbit/s-Internetverbindung von Google testen. Dort zeigte sich, dass die Cloud-Gaming-Plattform gegenüber Xbox One X und PC eine höhere Latenz aufweist. 166 Millisekunden waren es bei "Stadia", 145 Millisekunden bei der XBox One X, 112 bei einem PC mit 30 Bildern pro Sekunde und 79 Millisekunden bei einem Rechner mit 60 Bildern pro Sekunde.

Zentrale Anlaufstelle ist Youtube

Um "Stadia" auf einem Fernseher zu nutzen, wird vorerst ein Chromecast vorausgesetzt – auch bei einem Smart-TV mit Youtube-App. Bei allen anderen Geräten (Smartphone, Tablet, Laptop und PC) wird keine weitere Hardware vorausgesetzt. Man verbindet einen Controller der Wahl mit dem Endgerät und startet dann ein Spiel über die Youtube-App. Die Videoplattform soll laut Phil Harrison zentrale Anlaufstelle für den Cloud-Gaming-Dienst sein. Eine Anmeldung wird über den Google-Account vorgenommen.

Foto: Getty/Sull

Weiterhin Fragezeichen hinter Game-Auswahl

Hinsichtlich der Spieleauswahl zum Launch wurde nicht allzu viel verraten. Bei der Präsentation des Dienstes kündigte id Software an, dass man Doom Eternal für die Plattform entwickeln wird. Google selbst will mit seinem neugegründeten Studio Stadia Games and Entertainment eigene Spiele für "Stadia" entwickeln. Geleitet wird dieses von Jade Raymond, die zuvor bei Ubisoft und EA leitende Producerin war und unter anderem an der Assassin's Creed-Reihe beteiligt war. Drittentwickler sollen für die Plattform begeistert werden – Ubisoft hat bereits angekündigt, dass man voll auf "Stadia" setzen werde.

Foto: AFP/Edelson

Google setzt voll auf AMD und Linux

Die Server, auf denen die Berechnungen laufen, operieren übrigens mit Debian Linux. Zum Einsatz kommen maßgeschneiderte AMD-GPUs, 16 Gigabyte RAM und angepasste x86-Prozessoren. Als Grafik-API wird Vulkan verwendet. Spiele für "Stadia" zu portieren soll laut Harrison "reibungslos" ablaufen. Zugleich will der Hersteller die Entwickler mit neuen Möglichkeiten wie "State Share" oder "Group Play" locken. Ersteres erlaubt es, Spielemomente einfach mit anderen zu teilen, damit diese diesen selber spielen können. Bei "Group Play" können Zuseher eines Streams bei Youtube Streaming einfach an einer Multiplayer-Partie teilnehmen.

System wird beständig wachsen

Hinsichtlich der Performance hat Google zuletzt betont, dass man mehr Leistung als die Playstation 4 Pro und Xbox One X biete. Die Grafikkarte soll demnach 10,7 Teraflops liefern. "Stadia" ist allerdings keine statische Plattform, sondern soll technisch ständig wachsen. Da die Hardware in Googles Datenzentren liegt, kann der Hersteller diese schnell verbessern und austauschen.

Google will sich Projekt voll hingeben

Harrison kündigte zuletzt an, dass man sich dem Projekt intensiv widmen und nicht wie bei anderen Services schnell einen Schlussstrich ziehen will. Fragen zum Preis wurden nicht beantwortet. Mit weiteren Details wird im Sommer gerechnet. Ob die Ankündigung bei der E3 erfolgt, wollte man ebenso nicht sagen. "Stadia" startet noch heuer in den USA, Kanada, Großbritannien und Teilen von Westeuropa. (Daniel Koller, 20.3.2019)