Apple betritt am Montag den Videostreaming-Markt. Ob das Angebot auch in Österreich nutzbar sein wird, ist unklar.

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Eine Dokumentation über Brustvergrößerungen, "Dancing Stars" mit einem ehemaligen Rechts-außen-Politiker oder doch ein Abenteuer des in die Jahre gekommenen Privatdetektivs Josef Matula? Die Antwort unter 30-Jähriger ist klar: nichts von alledem. Sie haben sich vom linearen, gesetzteren Fernsehen verabschiedet. Ihr TV-Programm läuft auf Netflix, Amazon und anderen Streamingplattformen, hat die Telekom- und Rundfunkbehörde RTR in einer Studie erhoben. Also lieber Machtspiele im Washingtoner Polit-Milieu ("House of Cards") oder blutrünstige Schlachten um den eisernen Thron ("Game of Thrones").

Total Anspruchslos

Wahlfreiheit und zeitliche Unabhängigkeit sind die Pluspunkte der Plattformen. Aber auch das maue TV-Programm führen Befragte ins Treffen. "Fernzusehen bedeutet für manche auch, sich auf Trash einzulassen und einmal etwas total Anspruchsloses zu verfolgen", heißt es in der RTR-Untersuchung. Lediglich mit Nachrichten und Sportevents können klassische Sender beim jugendlichen Publikum punkten.

Jüngere Seher ersparen sich die GIS

Dazu kommt, dass sich immer mehr jüngere Seher die GIS-Gebühr gerne sparen. 2015 entschied der Verwaltungsgerichtshof, dass Computer mit Internetanschluss keine Rundfunkempfangsgeräte sind und daher die Gebühr nicht fällig wird – auch wenn man ORF-Programme via Stream, etwa auf dem Laptop, nutzt. Stattdessen geben Seher nun ihr Geld lieber für Accounts bei Streaminganbietern aus, die man mit Freunden teilen kann.

Zu den beliebtesten Anbietern in Österreich zählen Netflix und Amazon Prime. Bei den klassischen Sendern sorgt Amazon derzeit für unruhige Nächte, da der Onlineriese planen soll, ein werbefinanziertes Streamingangebot an den Start zu bringen. Damit könnten nach den Sehern auch Werbeeinnahmen zu Amazon wandern.

Was will Apple?

Mit Apple betritt nun ein neuer Player den Markt. Das Unternehmen stellt am Montagabend seinen neuen Streamingdienst vor. Noch unklar ist die Reichweite von Apples Ambitionen. Seit mehr als einem Jahr werden nach und nach große Namen präsentiert: Jennifer Aniston und Reese Witherspoon spielen in einer Serie über Rivalitäten im Frühstücksfernsehen, Steven Spielberg lässt die Mystery-Serie "Amazing Stories" wiederaufleben, von M. Night Shyamalan ("The Sixth Sense") gibt es einen Thriller, dessen Story noch geheim ist. Geplant ist auch eine Serie über die CIA, die auf den Memoiren einer ehemaligen Agentin basiert. Im Bereich der animierten Serien vertraut Apple auf die Macher der "Peanuts". Alles in allem soll Apple zwei Milliarden Dollar in exklusive Inhalte gesteckt haben.

Jennifer Aniston wird bei der Vorstellung des Angebots anwesend sein.
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Aber Apple geht es nicht nur darum, Kunden mit exklusiven eigenen Inhalten zu locken. Der Konzern will auch seine Rolle als Plattform für andere Dienste stärken. Apple wird nach Informationen des Technologieblogs "Recode" gebündelte Pakete von Abos – zum Beispiel der Bezahldienste HBO, Showtime und Starz in den USA – günstiger verkaufen als die Einzelangebote. Im "Wall Street Journal" hieß es in der Nacht auf Montag, pro Sender-Abo sollen 9,99 Dollar fällig werden.

Apple werde nicht zum ernsthaften Wettbewerber für Netflix und Co: "Apples Fokus wird – zumindest vorerst – darauf liegen, anderen beim Verkauf ihrer Videostreaming-Abos zu helfen und einen Umsatzanteil davon zu bekommen", so der gut vernetzte "Recode"-Medienreporter Peter Kafka.

Ohne Netflix

Netflix ist da übrigens nicht dabei. "Wir wollen, dass Leute unsere Shows auf unserem Dienst schauen", sagte Firmenchef Reed Hastings vergangene Woche. Für die Rolle des Abo-Vermittlers spricht auch das bisher bekanntgewordene Ausmaß der Investitionen von Apple. So sind zwei Milliarden Dollar zwar eine Menge Geld, aber Netflix gibt pro Jahr um die acht Milliarden für Inhalte aus, einen wachsenden Teil davon für exklusiv nur bei dem Dienst verfügbare Filme oder Serien. Andererseits ist das vielleicht auch nur der Anfang: Während Netflix seine Ausgaben immer noch hauptsächlich auf Pump finanziert, sitzt Apple auf einem Geldberg von mehreren hundert Milliarden Dollar – und kann auf eine Basis von 1,4 Milliarden Geräten im Umlauf zurückgreifen.

Auf diesen könnten zum Beispiel die Eigenproduktionen exklusiv verfügbar sein. Dass Apple neue Märkte erfolgreich erobern kann, hat das Unternehmen bereits mit Apple Music gezeigt. Das Musikstreamingangebot hat binnen drei Jahren den Platzhirsch Spotify in einigen Ländern, darunter in den USA, überholt.

Angebot für digitale Medien

Eine weitere Ankündigung am Montag könnte ein neues Abo-Angebot für Onlinemedien sein. Dafür hat Apple als Topadresse das "Wall Street Journal" an Bord holen können. Die "New York Times" zeigte Apple die kalte Schulter. (Markus Sulzbacher, 25.3.2019)