Es gibt fast nichts, was man nicht mieten kann an fahrbaren Untersätzen. Als Vermittler muss man auch keine Autos besitzen.

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Airbnb, Uber und Sunny Cars sind grundverschieden, haben aber doch eines gemeinsam: das Geschäftsmodell. Airbnb, der Privatwohnungsvermittler, der von San Francisco aus zum Siegeszug rund um die Welt aufgebrochen ist, besitzt selbst keine Zimmer, hat aber mehr Betten im Angebot als Marriott oder Hilton. Dem Fahrtenvermittler Uber aus Kalifornien gehört kein einziges Fahrzeug, dafür ist er der Größte in seinem Metier. Und auch Sunny Cars aus München gehört kein einziges der Mietautos, die sie vermitteln, sie sind aber die Führenden ihres Fachs in Europa.

"Wir haben eine Lücke geschlossen, die vorher da war", sagt Thorsten Lehmann, Geschäftsführer und Miteigentümer von Sunny Cars, im STANDARD-Gespräch. Vorher – damit meint Lehmann die Zeit bis zu Beginn der 1990er-Jahre. "Es gab Mietwagen, die konnte man im Reisebüro zum Flug und Hotel dazubuchen. Der Kunde erhielt einen handgeschriebenen Voucher. Den konnte er bei Hertz oder einer anderen Mietwagenfirma am Urlaubsort einlösen. Was die Gesamtkosten für den Kunden sind, wusste man nie genau", erzählt Lehmann. "Wenn das Reisebüro Glück hatte, bekam es die Provision ein Jahr später. Das waren wirklich archaische Zustände damals."

Angebot trifft Nachfrage

So sei die Idee entstanden, das professionell zu organisieren, Angebot und Nachfrage zusammenzubringen. 1991 wurde Sunny Cars in München gegründet. Das Unternehmen beschäftigt inzwischen fast 180 Mitarbeiter.

"Der Kunde weiß sofort, was insgesamt zu zahlen ist und welche Leistungen im Preis inkludiert sind. Und das Reisebüro muss auch nicht mehr lang auf die Provision warten", fasst Lehmann einige der Vorteile gegenüber den "archaischen Zeiten" zusammen.

Lehmann selbst ist vor zehn Jahren zum Münchener Mietwagenvermittler gestoßen, nachdem er zuvor fast 20 Jahre für das Konkurrenzunternehmen Holiday Autos tätig war. Dieses Unternehmen ist inzwischen Geschichte. Firmengründer und Mehrheitseigentümer von Sunny Cars ist Kai Sannwald, Lehmann ist mit einem Minderheitsanteil daran beteiligt.

Verhaltene Nachfrage

Kernmärkte von Sunny Cars sind Deutschland, Österreich, die Schweiz, Belgien, Frankreich und die Niederlande. Im abgelaufenen Geschäftsjahr (Ende Oktober 2018) wurden laut Lehmann 833.000 Buchungen abgewickelt, der vermittelte Umsatz belief sich auf rund 270 Millionen Euro.

Die am stärksten nachgefragten Mietwagenländer waren dabei Spanien, Italien, Portugal, die USA und Griechenland. Daran wird sich im heurigen Sommer gemäß Vorausbuchungen nichts gravierend ändern. Spanien sei tendenziell etwas weniger gefragt, Griechenland dafür umso mehr.

Nach zwei sehr starken Jahren sei heuer insgesamt ein bisschen die Luft draußen, die Nachfrage im bisherigen Jahresverlauf sei eher verhalten. Lehmann: "Das Niveau, auf dem wir uns bewegen, ist schon sehr hoch, das zu halten ist eine Herausforderung."

Das lasse sich deshalb schon sagen, weil das Gros der Vorausbuchungen für den Sommer in der Regel bereits in den Monaten Jänner und Februar stattfinde. Einige touristische Unternehmungen machten sich deshalb "auch Sorgen, wie das heuer wird", sagte Lehmann. Weitere buchungsstarke Zeiten seien kurz vor Ostern, vor Pfingsten und dann noch unmittelbar vor den Sommerferien.

Preis nicht verhandelbar

Rund 80 Prozent des Umsatzes macht Sunny Cars mit Reisebüros, etwa 20 Prozent mit Kunden, die auf der unternehmenseigenen Homepage direkt buchen. Die brauche man, um das Geschäft profitabel betreiben zu können. Für die Kunden spiele es keine Rolle, ob sie im Reisebüro oder auf der Unternehmenswebsite den Mietwagen bestellen. Lehmann: "Der Preis ist derselbe, und er ist auch nicht verhandelbar."

Außer Wohnmobile und Motorräder vermittelt Sunny Cars die gesamte Palette an fahrbaren Untersätzen – Limousinen genauso wie SUVs. Zurückgreifen könne man auf Flotten von knapp 300 unterschiedlichen Mietwagenanbietern.

Benzin und Diesel sind auch im Mietwagenmarkt noch immer das Maß aller Dinge, Elektromobilität spielt so gut wie keine Rolle in dem Business. "Elektroautos werden nicht nachgefragt, überhaupt nicht", sagt Lehmann. Die Gründe dafür sieht der Mietwagenvermittler in dem etwas höheren Preis und auch in den nach wie vor bestehenden Unsicherheiten, was die Lademöglichkeiten betrifft. Lehmann: "Ich vermute, dass sich daran so schnell auch nichts ändern wird." (Günther Strobl, 27.3.2019)