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Neu-Delhi – Am Mittwoch trat der indischen Premierminister Narendra Modi überraschend vor die Kameras. In einer in ganz Indien gesendeten TV-Ansprache verkündete der Chef der Hindu-nationalistischen BJP, dass Indien nun zur "Superliga" im Weltraum gehört. Dem indischen Raumfahrtprogramm sei es gelungen, einen Testsatelliten aus der niedrigen Erdumlaufbahn abzuschießen. Der Satellit hatte sich in einer Höhe von 300 Kilometern befunden und wurde von einer sogenannten Antisatellitenwaffe (Asat) abgeschossen. Die Mission "Shakti" dauerte nur drei Minuten.

Das ist bisher nur den drei Ländern USA, Russland und China gelungen. "Es ist ein großer Moment für Indien", sagte der Premier. "Wir sind nicht nur in der Lage, uns am Land, auf dem Wasser und in der Luft zu verteidigen, sondern auch im Weltall."

Die überraschende Verkündigung kommt nur zwei Wochen vor Beginn der Parlamentswahlen in der größten Demokratie der Welt. Von 11. April bis 19. Mai sind fast eine Milliarde Menschen dazu aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Modi und seine BJP hatten bei Regionalwahlen im Dezember beträchtlich an Stimmen eingebüßt – der Regierungschef steht unter Druck, Stimmung für seine Politik zu machen.

Die Opposition fand kritische Worte zu dem Testabschuss. Mamata Banerjee, Ministerin des Bundesstaates West Bengal, kündigte an, eine Beschwerde bei der Wahlkommission gegen Modis Ankündigung einzureichen. Modi würde verzweifelt versuchen, politischen Nutzen daraus zu schlagen. Das würde gegen den Verhaltenskodex der Wahlen verstoßen.

Pakistan warnt vor Militarisierung des Weltraums

In den vergangenen Wochen setzt Modi stark auf das Thema Sicherheit, Patriotismus und Nationalismus. Das zeigte sich auch vor etwa einem Monat, als der Kaschmir-Konflikt mit Pakistan zu eskalieren drohte.

Ohne direkt auf Indiens Testabschuss einzugehen veröffentlichte Pakistan am Mittwochnachmittag einen Aufruf gegen die Aufrüstung im Weltall. "Der Weltraum ist das gemeinsame Erbe der Menschheit und jede Nation hat die Verantwortung, jegliche Aktion zu vermeiden, die dazu führen könnte, dass diese Arena militarisiert wird", hieß es in der Stellungnahme des Außenministeriums.

Indien verfolgt schon lange eine Aufholjagd im Weltraum. Im vergangenen August verkündete Modi, bis 2022 bemannte Flüge ins Weltall durchführen zu wollen. Der unbemannte Raumgleiter "Chandrayaan-1" hat vor knapp zehn Jahren den Mond umflogen. (Anna Sawerthal, 27.3.2019)