Die Bauinvestitionen bleiben hoch. Auch das stützt die Konjunktur.

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Die Party ist zu Ende, das ist die schlechte Nachricht. Nach drei guten Jahren mit kräftigem Wirtschaftswachstum zwischen 2016 und 2018 dürften die kommenden beiden Jahre konjunkturell eher mau werden. Es gibt aber auch eine gute Nachricht: So schlimm wie in den Jahren vor dem Aufschwung, als Österreichs Wirtschaft lange Zeit so gut wie gar nicht gewachsen ist, wird es nicht. Das sind die Kernaussagen der Frühjahrsprognose der Wirtschaftsforschungsinstitute Wifo und IHS, die am Freitag in Wien vorgestellt wurde.

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Das Wifo geht davon aus, dass Österreichs Wirtschaft heuer um 1,7 und im kommenden Jahr um 1,8 Prozent wachsen wird. Das IHS ist beinahe traditionsgemäß etwas pessimistischer und rechnet mit 1,5 Prozent heuer und 1,6 Prozent im kommenden Jahr. Vor allem das Wifo hat seine Prognose aus dem Dezember damit spürbar nach unten revidiert. Zuletzt war man noch von einem Wirtschaftswachstum um zwei Prozent heuer ausgegangen. Die Prognose für 2020 blieb bei beiden Instituten im Wesentlichen unverändert.

Verschlechterung in Deutschland und Italien

Österreich bekommt damit die deutliche Verschlechterung der Wirtschaftslage in Italien und Deutschland zu spüren. Das zuletzt starke Wachstum der Unternehmensinvestitionen in neue Maschinen und Fabriken wird sich spürbar verlangsamen. Auch der Warenexport wird sich abschwächen. Allerdings werden die Bauinvestitionen weiter auf hohem Niveau bleiben. Und: Die starke Inlandsnachfrage stützt die Konjunktur und dürfte einen stärkeren Einbruch verhindern.

Dass die Laune der Konsumenten gut bleibt, hat mehrere Ursachen. Laut Wifo lagen etwa die Lohnabschlüsse zuletzt über den Vorjahreswerten. Positiv wirke sich auch der Familienbonus aus, der von Türkis-Blau beschlossen wurde. Der Familienbonus bedeutet ja eine Steuererleichterung für jene, die ihn nutzen können, weshalb mehr Geld für Konsum übrigbleibt.

Arbeitslosigkeit bleibt auf hohem Niveau

Dieses Jahr geht die Arbeitslosigkeit noch geringfügig zurück, 2020 stagniert der Rückgang allerdings. Die Zahl der Arbeitslosen wird nach der Wfio-Analyse nicht nachhaltig unter 300.000 sinken. Beide Institute weisen auf den "Mis-Match" – das Auseinanderklaffen der von der Wirtschaft nachgefragten und von den Arbeitslosen angebotenen Kompetenzen – hin. Sie empfehlen mehr Maßnahmen zur Bekämpfung und Prävention von Langzeitarbeitslosigkeit.

Budgetdisziplin und höhere Löhne zu Konjunkturstabilisierung

Budgetdisziplin fordert Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP) von den Ressorts ein. Die Inlandsnachfrage bremst die Abschwächung der Konjunktur, weshalb der Minister auf die Bedeutung hoher Lohnrunden, wachsender Beschäftigtenzahlen und sinkender Arbeitslosigkeit hinweist. Das sieht die Gewerkschaft freilich ähnlich. "Gute Lohnabschlüsse sind essenziell, um ein solides Wirtschaftswachstum zu garantieren", kommentiert Rainer Wimmer, Bundesvorsitzender der Produktionsgewerkschaft Pro-Ge, die Wirtschaftsprognose des Wifo. Hohe Konsumnachfrage sei eine Folge der höheren Gehälter, die im Herbst verhandelt wurden.

Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) sieht sich wiederum im Regierungskurs bestätigt. Der Familienbonus habe die private Nachfrage gesteigert und die Konjunktur damit gestützt. SPÖ-Sozialsprecher Josef Muchitsch kritisiert dagegen die Regierungspolitik und drängt auf Beschäftigungsmaßnahmen für Arbeitslose, um die prognostizierte steigende Arbeitslosigkeit zu mildern.

Die Wirtschaftskammer pocht indes auf Entlastungen für Unternehmen. "Für die Betriebe ist eine sehr deutliche, spürbare Senkung der Körperschaftssteuer nötig, um wettbewerbsfähig zu bleiben", wiederholt Generalsekretär Karlheinz Kopf die bekannte Forderung der WK. (András Szigetvari, jugi, 29.3.2019)