Carvajal war im Jahr 2014 Konsul Venezuelas auf der niederländischen Karibikinsel Aruba, als er auf Betreiben der USA festgenommen wurde. Aufgrund seiner diplomatischen Immunität wurde er damals aber nach kurzer Zeit wieder auf freien Fuß gesetzt, Präsident Maduro bereitete ihm einen triumphalen Empfang.

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Madrid – Die USA haben die spanischen Behörden aufgefordert, den ehemaligen venezolanischen Geheimdienstchef Hugo Carvajal (49) auszuliefern. Der als "El Pollo" ("Das Huhn") bekannte Ex-General war Ende Februar ins Lager des Oppositionsführers Juan Guaidó übergelaufen und wurde am Freitag der Vorwoche in Madrid verhaftet.

Carvajal, vormals ein enger Verbündeter von Präsident Nicolas Maduro, war von 2004 bis 2011 Leiter des militärischen Nachrichtendienstes und steht auf einer Sanktionsliste der USA. Die US-Ermittler werfen ihm vor, als Verbindungsmann zur kolumbianischen Farc-Guerilla Ausweispapiere, Waffengeschäfte und Drogentransporte organisiert zu haben.

Mit Chávez an der Militärakademie

Der Ex-Geheimdienstchef kannte den 2013 verstorbenen Ex-Präsidenten Hugo Chávez seit ihrer gemeinsamen Zeit an der Militärakademie. Er war unter Chávez' Kommando 1992 am gescheiterten Putsch gegen den damaligen Präsidenten Carlos Andrés Pérez beteiligt und machte nach dessen Wahlsieg 1999 schnell Karriere.

Nachdem Kolumbien im März 2008 ein Guerillacamp in Ecuador bombardiert hatte, wobei zahlreiche Kämpfer getötet wurden, fanden die Behörden auf dem Laptop des Farc-Kommandanten Raúl Reyes E-Mails, die Hinweise auf die Lieferung von schwedischen Panzerabwehrraketen aus Beständen der venezolanischen Armee an die Aufständischen geben. Die Echtheit der als "Farc-Files" bekannten Dokumente ist allerdings umstritten, von kolumbianischen Gerichten werden diese nicht als Beweismaterial anerkannt.

Überraschender Seitenwechsel

Am 21. Februar wechselte Carvajal überraschend die Seiten: Während Oppositionschef Guaidó erfolglos versuchte, US-Hilfslieferungen über die kolumbianisch-venezolanische Grenze zu bringen, nahm der Ex-General ein Video auf, in dem er Maduro für die Lebensmittel- und Medizinknappheit verantwortlich macht und an den selbsternannten Interimspräsidenten Guaidó gerichtet erklärt, er sei nun "ein weiterer Soldat für die Freiheit und die Demokratie".

Die US-Behörden hoffen, dass er im Falle einer Auslieferung als Belastungszeuge aussagen könnte. Carvajals Anwälte haben angekündigt, gegen das US-Auslieferungsbegehren vorgehen zu wollen, weil ihr Mandant nun in Spanien seinen Lebensmittelpunkt habe. (bed, 16.4.2019)