Es wird vermutet, dass bestimmte, in Rotwein enthaltene Inhaltsstoffe wie Histamin, Tyramin oder Phenylethylamin Migräne auslösen könnten. Forscher sind sich aber nicht sicher, ob der Alkohol alleine dafür verantwortlich ist.

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Migräne zählt zu jenen neurologischen Erkrankungen, deren Ursachen noch nicht vollständig erforscht sind. Bekannt sind allerdings Auslöser, sogenannte Trigger einer Migräneattacke, wie beispielsweise Stress, Änderungen des Schlaf-Wachrhythmus, Wetterumschwünge oder zyklusbedingte hormonelle Veränderungen bei Frauen. Der Anteil der Frauen, die unter Migräne leiden, ist fast doppelt so hoch wie der der Männer.

Auch ungewohnte, "extreme" Sinneswahrnehmungen wie Lärm, visuelle Reize oder Gerüche können Migräneanfälle auslösen. Ebenso kann die Ernährung ein Grund sein: Bei einigen der Betroffenen können die Kopfschmerzen durch das Auslassen von Mahlzeiten, bei andere durch bestimmte Lebens- und Genussmittel wie Schokolade oder Alkohol provoziert werden.

Eine aktuell im "European Journal of Neurology" publizierte, niederländische Studie hat nun den Stellenwert alkoholischer Getränke als Auslöser von Migräneattacken und den Effekt auf den Konsum von Alkohol bei Migränepatienten untersucht. 2.197 Patienten wurden zu ihrem Trinkverhalten und den Triggern, die bei ihnen die Kopfschmerzattacken auslösen, befragt. Die Befragten Migränepatienten waren Teilnehmer des "Leiden University MIgraine Neuro-Analysis" (LUMINA)-Projektes und im Alter von 18 bis 80 Jahren.

Migräne-Trigger

1.547 von den 2.197 Befragten gaben an, Alkohol zu konsumieren. Von den Befragten erklärten insgesamt 783 Patienten (35,6 Prozent), dass Alkohol bei ihnen Kopfschmerzattacken auslöst. Unter den 1.547 Befragten, die gelegentlich Alkohol trinken, war der Anteil sogar noch höher: In dieser Gruppe gaben 42,5 Prozent an, dass Alkohol bei ihnen ein Migräne-Trigger sei. Diese Patienten, bei denen der Konsum von Alkohol Migräneanfälle auslöst, hatten im Vergleich zu den anderen einen geringeren Body-Mass-Index (BMI), litten häufiger unter Migräne ohne Aura-Symptome, hatten mehr Migräneattacken pro Jahr und mehr "Migränetage".

Die Studie untersuchte auch, welche alkoholischen Getränke besonders häufig zu Migräneattacken führen. Am häufigsten wurde Wein, insbesondere Rotwein, genannt. Es wird vermutet, dass bestimmte, in Rotwein enthaltene Inhaltsstoffe wie Histamin, Tyramin oder Phenylethylamin diesen Effekt verursachen könnten. Die Befragten gaben an, dass bereits zwei Gläser ausreichen, um einen Migräneanfall zu provozieren.

Andererseits berichteten aber nur 8,8 Prozent der Studienteilnehmer, dass Rotwein bei ihnen immer und ausnahmslos zu Migräneanfällen führt. Die Studienautoren zweifeln daher an, dass Alkohol bzw. Rotwein ein eigenständiger Trigger ist. Fakt sei aber, dass Migräne das Konsumverhalten von Alkohol verändert, viele Patienten nehmen Abstand. Laut den Studienautoren kann daher diskutiert werden, ob Alkohol ein echter oder nur ein "gefühlter" Auslöser von Migräneattacken sei.

Mehrere Auslöser

"Selten ist nur ein einziger Trigger für den Ausbruch eines Migräneanfalls verantwortlich, meist kommen mehrere Auslöser zusammen. Rotwein kann man leicht umgehen, andere Migräneauslöser, wie z.B. Hormonschwankungen oder Wetterumschwünge, aber nicht", so Hans-Christoph Diener von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Es sei deswegen klug, auf vermeidbare Auslöser zu verzichten, um das Risiko für das Auftreten von Migräneattacken geringer zu halten. "Die Studie sollte keinesfalls so interpretiert werden, dass Migränepatienten ruhig Rotwein trinken sollten – Alkohol, insbesondere Rotwein, bleibt ein Migräne-Trigger, nicht geklärt ist nur, wie groß sein Einfluss tatsächlich ist." (red, 17.4.2019)