Alan Garcia vor dem Gerichtsgebäude, in dem er im Februar verhört wurde.

Foto: REUTERS/Guadalupe Pardo

Lima – Der frühere peruanische Staatschef Alan García (69) hat sich bei seiner Verhaftung wegen Korruptionsvorwürfen selbst eine Schusswunde am Kopf zugefügt. "Der Ex-Präsident hat sich angeschossen", sagte sein Anwalt Erasmo Reyna am Mittwoch der staatlichen Nachrichtenagentur Andina. Kurz darauf verstarb García.

Vor seinem Tod war García noch am Kopf operiert worden. Nach seiner Einlieferung habe er drei Herzinfarkte erlitten, die Ärzte hätten ihn reanimieren können.

Ermittlungen wegen Korruption

Die Justiz hatte im Rahmen der Ermittlungen im Korruptionsskandal um den brasilianischen Baukonzern Odebrecht eine zehntägige Untersuchungshaft über den ehemaligen Präsidenten (1985–1990 und 2006–2011) verhängt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Sozialdemokraten García wegen mutmaßlicher illegaler Finanzierung seiner Wahlkampagne von 2006 mit Spenden von Odebrecht.

Die Staatsanwaltschaft geht der Frage nach, ob Odebrecht im Zusammenhang mit dem Bau der ersten U-Bahn-Linie in Lima Schmiergelder gezahlt hat. García sah sich als Opfer politischer Verfolgung. Er lebte eigentlich in Spanien und war für eine Zeugenaussage nach Peru gereist.

Peru hatte wegen der Korruptionsermittlungen ein Ausreiseverbot gegen den sozialdemokratischen Ex-Präsidenten verhängt. García war daraufhin im November in die Botschafterresidenz Uruguays in Lima geflüchtet, die er im Dezember aber wieder verlassen hatte.

APRA-Vorsitzender

García hatte bestritten, Odebrecht-Geld angenommen zu haben. "Man darf nicht Menschen aufgrund von Spekulationen verhaften, das wäre eine große Ungerechtigkeit", sagte García noch am Dienstagabend in einem Gespräch mit dem Sender RPP. García war Vorsitzender der Alianza Popular Revolucionaria Americana (APRA) ("Amerikanische Revolutionäre Volksallianz"), die der Sozialistischen Internationale angehört.

Vor einer Woche wurde einer der Nachfolger Garcías, Ex-Präsident Pedro Pablo Kuczynski (2016–2018), ebenfalls wegen mutmaßlicher Korruption im Fall Odebrecht in Untersuchungshaft genommen. Odebrecht soll hunderte Millionen Dollar Schmiergeld in ganz Lateinamerika gezahlt haben, um an lukrative Staatsaufträge zu kommen.

Kuczynski war – einem drohenden Amtsenthebungsverfahren zuvorkommend – vor einem Jahr zurückgetreten. Am Dienstagabend wurde Kuczynski wegen Herzbeschwerden in ein Krankenhaus in Lima eingeliefert. Auch Kuczynski bestreitet, in den Korruptionsskandal verwickelt zu sein. (red, APA, dpa, 17.4.2019)