Foxconn-Gründer Terry Gou will Staatschef von Taiwan werden.

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Mazu habe es ihm eingeflüstert: "Tu Gutes für unsere leidenden Menschen, gib der Jugend Hoffnung, trag zum Frieden in der Taiwanstraße bei!" Das erzählte Terry Gou im Ciyou-Tempel in Taiwans Hauptstadt Taipeh – dem Ort, der der Meeresgöttin Mazu gewidmet ist. Nach einer schlaflosen Nacht lautete seine Antwort auf die Aufforderung aus der Götterwelt: Ja, er wolle Präsident Taiwans werden, eröffnete Gou in lokalem Dialekt.

Am Mittwoch warf der Chef des weltweit größten Elektronikzulieferers Foxconn seinen Hut offiziell in den Ring: Er wird das Tagesgeschäft niederlegen und will bei den für Jänner 2020 geplanten Wahlen als Kandidat der Kuomintang (KMT) antreten. Sie hatte im vergangenen Jahrzehnt Schritte zur Annäherung an Peking gesetzt.

Der 68-jährige Gou, laut "Forbes" mit einem Vermögen von 7,8 Milliarden US-Dollar der reichste Mann Taiwans, bewegt sich normalerweise auf dem Parkett der Wirtschaft. Foxconn gründete er 1974. Seit 1991 ist das multinationale Unternehmen, das auch Apple beliefert, an der taiwanesischen Börse notiert. Gou Taiming (so sein chinesischer Name) war einer der ersten Taiwanesen, die in Fabriken in China investierten. Inzwischen hat er dort mehr als eine Million Angestellte; viele von ihnen protestieren immer wieder gegen massive Ausbeutung.

Politisches Spannungsfeld

Wirtschaftliche Beziehungen kann Gou also vorweisen. Und auch privat ist China dem zweimal verheirateten fünffachen Vater nicht fremd: Er wurde zwar in Taiwan geboren, aber seine Eltern, die auf die Insel flohen, stammen aus der chinesischen Provinz Shanxi.

Im schwierigen politischen Spannungsfeld mit China ist das Amt des Präsidenten Taiwans eine Aufgabe, bei der göttliche Unterstützung nicht schaden kann. Die Beziehungen haben sich verschlechtert, seit Tsai Ing-wen, die sich für mehr Unabhängigkeit einsetzt, 2016 Präsidentin wurde.

Strittig ist die Zugehörigkeit Taiwans seit 1949, als die im Bürgerkrieg siegreichen Kommunisten in Peking die Volksrepublik China ausriefen, während die unterlegenen Anhänger der KMT auf der Insel Taiwan die Republik China weiterführten.

Ein regionaler Sicherheitsanalyst sagte der Nachrichtenagentur Reuters, Gous Kandidatur sei etwas komplett Neues für Politik in Taiwan: ein Kandidat, der alles aus dem pragmatischen Blickwinkel eines Geschäftsmannes betrachte – und nicht aus ideologischer Sicht. (Milena Pieper, 17.4.2019)