Matteo Salvini mit Gewehr. Wer ihn stoppen will, hat Waffengewalt zu fürchten, deutete sein Wahlmanager nun an.

Foto: Reuters / Casilli

Rom – Luca Morisi, Medienmanager von Italiens Innenminister Matteo Salvini, ist arg unter Beschuss geraten. Der 43-jährige Medienexperte veröffentlichte auf Facebook ein Bild Salvinis mit einem Gewehr in der Hand, das für helle Empörung sorgte. "Die EU-Parlamentswahlen rücken näher, und man wird versuchen, Salvini zu stoppen. Doch wir sind bewaffnet", ist unter dem Bild zu lesen.

Die Werbung, nur wenige Wochen nach dem Anschlag eines rechtsradikalen Attentäters im neuseeländischen Christchurch, der seine 50 muslimischen Opfer in zwei Moscheen erschossen hat, sorgt in Italien für heftige Kritik.

Die sozialdemokratische Abgeordnete Pina Picierno rief Salvini auf, auf Distanz zu Morisi zu gehen. "Ein Innenminister darf auf Facebook nicht zu Gewalt aufhetzen", sagte Picierno. Laut dem Linkspolitiker Nicola Fratoianni sollte Salvini Morisi sofort entlassen, weil er "bedrohliche und gewaltsame Botschaften" verbreite.

Andreas Schieder, Spitzenkandidat der SPÖ bei der EU-Wahl, verurteilte in einer Aussendung Salvinis Abbildung und Text. Er sprach von einer "Mailänder Bande, die Europa zerstören will". Schieder sieht in dem Posting eine Drohung "mit einem bewaffneten Umsturz". Die FPÖ müsse sofort aus ihrem Bündnis mit Salvini austreten, fordert er.

Gewehr, Plüschtiere – alles das Gleiche?

Salvini verteidigte Morisi: "Heute habe ich ein Bild mit drei Plüschtieren meiner Tochter veröffentlicht, und ich bin deswegen genauso angegriffen worden", sagte er.

Morisi, der an der Universität von Verona Informatik-Philosophie unterrichtet, ist ein angesehener Medienstratege. Mit einem jungen und effizienten Team von Kommunikationsexperten verfolgt er die sozialen Netzwerke, analysiert die Kommentare und entwirft effektheischende Slogans, die bei der Wählerschaft besonders gut ankommen. Die Salvini-Botschaften werden hauptsächlich morgens, mittags und abends gesendet, zu jenen Tageszeiten, an denen die meisten Zeit in den sozialen Medien verbringen. Bei jeder Reise hat Salvini einen Web-Experten an seiner Seite, der alles aufnimmt.

Ganz besonders liebt der technologisch versierte Salvini Liveschaltungen in Eigenproduktion auf Facebook. Dabei filmt er sich mit seinem Tablet oder dem Handy selbst und redet direkt zu den Italienern. Damit vermeidet er lästige Fragen von Journalisten und pflegt direkt die Kommunikation mit den Bürgern. Zehntausende schauen zu. (red, APA, 23.4.2019)