Caster Semenya verliert den Prozess.

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800-Meter-Olympiasiegerin Caster Semenya hat vor dem Internationalen Sportgerichtshof im Streit um Testosteron-Grenzwerte für Frauen eine Niederlage erlitten. Laut dem am Mittwoch veröffentlichten Urteil ist eine Regel des Leichtathletik-Weltverbands rechtens, mit der Testosteron-Limits für Mittelstreckenläuferinnen mit intersexuellen Anlagen festgesetzt werden.

Läuferinnen, die künftig bei internationalen Wettkämpfen über Distanzen von 400 Metern bis zu einer Meile starten wollen, müssen ihren Testosteronwert "innerhalb einer durchgehenden Periode" von mindestens sechs Monaten auf unter fünf Nanomol pro Liter senken. Das ist auch durch die Einnahme hormoneller Verhütungsmittel möglich.

"Notwendiges Mittel"

Das dreiköpfige Gericht lehnte die Einsprüche Semenyas und des südafrikanischen Leichtathletikverbands mehrheitlich ab. Die IAAF-Regel sei zwar diskriminierend, aber die Mehrheit des Gremiums befand sie auf Grundlage der von allen Parteien eingereichten Unterlagen auch "als notwendiges, vernünftiges und angemessenes Mittel". So könne das Ziel des Weltverbands erreicht werden, die Integrität weiblicher Athleten in den fraglichen Wettbewerben aufrechtzuerhalten. Die IAAF zeigte sich in einer Aussendung zufrieden mit dem Urteil.

Semenya kämpferisch

"Manchmal ist die beste Reaktion, gar nicht zu reagieren", twitterte Semenya. Die 28-Jährige hat nun noch die Möglichkeit, innerhalb von 30 Tagen Einspruch beim Schweizer Bundesgericht einzulegen.

Wenig später legte die Südafrikanerin nach: "Die IAAF versucht seit einem Jahrzehnt, mich zu bremsen, aber das hat mich nur stärker gemacht. Die Cas-Entscheidung wird mich nicht zurückhalten. Ich werde wieder über mich hinauswachsen und will weiterhin junge Frauen und Athleten in Südafrika und auf der Welt inspirieren."

Südafrikas Sportministerin Tokozile Xasa machte Semenya Mut für ihre sportliche Zukunft. "Du bleibst unser Golden Girl. Du hast eine Nation geeint", sagte sie am Mittwoch. "Wir haben immer gesagt, dass diese Regeln auf den Menschenrechten und der Würde von Caster Semenya und anderen weiblichen Athleten herumtrampeln", betonte das Ministerium für Sport und Freizeit. Das Urteil sei enttäuschend.

Enger Zeitplan

Die Richter wiesen ausdrücklich darauf hin, dass es im konkreten Einzelfall zu Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Regel kommen könne. Das Urteil könnte Auswirkungen auf das Startrecht von Frauen mit hohen Testosteronwerten bei der WM vom 27. September bis 6. Oktober in Doha (Katar) haben. Bis zum WM-Beginn sind es noch weniger als sechs Monate.

Die IAAF teilt daher mit, dass betreffende Athletinnen nun bis 8. Mai Zeit hätten, ihren Testosteronspiegel auf das vorgeschriebene Niveau zu senken, um an internationalen Bewerben teilnehmen zu können. Für das Diamond-League-Meeting am Freitag in Doha ist noch keine Verringerung des Werts notwendig. Außerdem werde auch der Start bei der WM akzeptiert, obwohl es bis dahin keine sechs Monate mehr sind. Der Testosteronwert muss aber passen, ansonsten werde das Antreten untersagt.

Studie: 4,5 Prozent Vorteil

Mit dem Grenzwert von fünf Nanomol pro Liter reagierte die IAAF auch auf eine Studie vom Juli 2017, wonach Frauen mit hohen natürlichen Testosteronwerten in einigen Disziplinen einen Wettbewerbsvorteil von bis zu 4,5 Prozent haben. Der natürliche Testosteronwert ist bei Frauen normalerweise deutlich geringer als die jetzt festgelegten fünf Nanomol in einem Liter Blut. Die IAAF hatte die umstrittene Studie veranlasst, weil der Cas die Testosteron-Regel mit der Forderung aufgehoben hatte, Beweise für den vermuteten Wettbewerbsvorteil zu erbringen. (APA, 1.5.2019)