Herzogin Meghan, hier Ende Jänner 2019, hat ihr erstes Kind geboren.

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London – Das Warten auf das neue britische Königskind hat ein Ende. Am Montag gaben Herzogin Meghan und Prinz Harry auf ihrem Instagram-Account bekannt: "It's a Boy".

Prinz Harry erklärte vor Journalisten, sein Sohn, Nummer sieben in der Thronfolge, sei "absolutely to die for". Anders als bei den drei Kindern von Prinz William und Herzogin Kate soll Baby Sussex den Medien erst in den kommenden Tagen vorgestellt werden.

Nur kurze Zeit vor dem Posting bestätigte der Buckingham Palace, dass Herzogin Meghan in den Wehen liege.

Es folgten Gückwünsche, etwa von Premierministerin Theresa May oder Oppositionsführer Jeremy Corbyn.


Schon vor der Geburt von Baby Sussex, die Royalisten weltweit freudig erwartet hatten, hat der neueste Zuwachs der britischen Königsfamilie seine Nützlichkeit unter Beweis gestellt. Das gilt für die Tourismusindustrie in und um Windsor – es soll ja Leute geben, die ihren England-Besuch eigens nach royalen Spektakeln einrichten – ebenso wie für die Londoner Buchmacher, die seit Wochen mit immer neuen lustigen Wetten aufwarteten.

Vor allem aber hilft Prinz Sussex der Frau Mama aus einer Bredouille: Wenn Anfang Juni US-Präsident Donald Trump zum Staatsbesuch auf der Insel erscheint, muss Meghan Markle ihrem ungeliebten Landsmann nicht einmal die Hand geben, geschweige denn Smalltalk mit dem Mann aus dem Weißen Haus pflegen. Mutterschaftsurlaub gilt bekanntlich auch für Herzoginnen.

Details über den Ort der Niederkunft hatten die Schwangere und der zukünftige Papa Prinz Harry der Öffentlichkeit vorenthalten, zuletzt wurde mehrheitlich von einer Hausgeburt ausgegangen. Ein Kinderzimmer für das achte Urenkelkind Ihrer Majestät ist im gerade für drei Millionen renovierten Landhaus Frogmore Cottage jedenfalls eingerichtet, wo Harry und Meghan ihre ersten Ehejahre verbringen wollen.

Harry ist Sechster in Thronfolge

Oder wollen sie das etwa doch nicht? Es gebe da Pläne für eine auf den Prinzen und seine glamouröse Gattin maßgeschneiderte Rolle, meldete kürzlich "Sunday Times" und versetzte damit Royal Watchers in Aufregung. Harry ist ja von seinen beiden Neffen George (Nummer drei) und Louis (Nummer fünf) sowie seiner Nichte Charlotte (Nummer vier) auf Rang sechs der Thronfolge verbannt worden. Anders gesagt: Nur eine massive Katastrophe würde dem 34-Jährigen eine Aussicht auf den Job eröffnen, den seit 67 Jahren die am Ostersonntag 93 Jahre alt gewordene Queen ausübt.

"Schicken die drei nach Afrika"

Wie aber lässt sich der weltweite Appeal des bekanntermaßen eigenwilligen Paares, dessen Verhältnis zu Prinz William und Kate getrübt sein soll, am besten für die Zwecke der Monarchie einspannen? "Wir schicken die drei nach Afrika", scheint die Antwort enger Berater zu lauten, darunter der frühere Spitzendiplomat David Manning sowie Lord Christopher Geidt, Ex-Privatsekretär der Queen.

Mag die Idee auch zunächst ein wenig abwegig klingen, ganz von der Hand zu weisen ist der Vorschlag für die Zeit nach der Geburt nicht.

"Tiefe Affinität" des Prinzen zu Afrika

Der Prinz hat in den vergangenen Jahren immer wieder von seiner "tiefen Affinität" zum schwarzen Kontinent gesprochen. Nach dem Abitur lebte er für einige Monate im südafrikanischen Lesotho und gründete dort später eine Wohlfahrtsorganisation für Kinder von HIV/Aids-Opfern. Das benachbarte Botswana hat Harry sogar "meine zweite Heimat" genannt, ein Status, den die erste gemeinsame Reise mit Meghan gewiss verstärkt hat.

Neben den Invictus-Spielen für kriegsversehrte Veteranen gilt das Hauptaugenmerk der beiden vor allem dem Commonwealth, einem losen Zusammenschluss Großbritanniens mit 52 Staaten weltweit, die meisten davon frühere Kolonien wie Lesotho und Botswana. Und das Paar steht seit vergangenem Jahr gemeinsam dem Commonwealth Trust vor, dessen Projekte vor allem Kindern zugutekommen.

Zunächst bleibt all das aber noch Zukunftsmusik – und alles dreht sich um das Neugeborene. (Sebastian Borger aus London, 6.5.2019)