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Lisa Kötter hat im Moment zwar ziemlich viel Stress, aber sie ist sehr zufrieden. "Unsere Aktion ist zum absoluten Selbstläufer geworden", sagt die 58-jährige Künstlerin aus dem katholisch geprägten Münster in Nordrhein-Westfalen. Dort hatte sie mit einigen Mitstreiterinnen aus einem Lesekreis vor kurzem eine Idee, die zehntausende Frauen in ganz Deutschland nachahmenswert finden: Aus Protest gegen Missbrauchsfälle, aber auch aus Protest gegen die wenigen Möglichkeiten, die Frauen in der Kirche haben, wird diese Woche die Kirche bestreikt.

Das bedeutet: Die Frauen betreten in dieser Zeit keine Gotteshäuser, sie lassen ihre ehrenamtlichen Ämter ruhen und feiern stattdessen lieber ohne Priester im Freien einen Gottesdienst. "Für uns alle ist ein stillschweigender Austritt keine Option. Kämpfen wollen wir für uns und für unsere heranwachsenden Kinder und Enkelkinder", heißt es auf der Webseite von "Maria 2.0.".

Vielleicht merken die Männer was

Mehrere Hundert Initiativen in Deutschland haben sich den Rebellinnen von Münster angeschlossen. Unterstützt werden sie von den beiden großen katholischen Frauenverbänden kfd und KDFB. Der Gedanke hinter dem Streik: Frauen wollen keine gehorsamen Dienerinnen mehr sein. Wenn sie wegbleiben, werden es die Männer vielleicht merken.

"Unsere Geduld ist am Ende. "Wir haben nicht mehr viel Zeit", sagt die frühere KDFB-Vizepräsidentin und heutige stellvertretende Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Claudia Lücking-Michel. Sie werde von ihren Kindern und Freunden immer wieder gefragt, wie sie denn einer Organisation angehören könne, die Frauen ausschließe.

In einem Brief an den Papst machen die Frauen keinen Hehl aus ihrem Frust: "Wir stehen fassungslos, enttäuscht und wütend vor dem Scherbenhaufen unserer Zuneigung und unseres Vertrauens zu unserer Kirche."

Aufhebung des Zölibats

Und sie haben einige Forderungen: "Kein Amt mehr für diejenigen, die andere geschändet haben an Leib und Seele oder diese Taten geduldet oder vertuscht haben." Außerdem verlangen die Frauen die uneingeschränkte Kooperation mit Strafverfolgungsbehörden im Falle von Missbrauch, den Zugang von Frauen zu allen Ämtern der Kirche und die Aufhebung des Pflichtzölibats.

Zurückhaltend reagieren jedoch die männlichen Würdenträger. "Die deutschen Bischöfe verstehen die Unruhe und sehen Änderungsbedarf", sagt Matthias Kopp, der Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz. Er versichert, dass die Aktion auch im Vatikan wahrgenommen werde. Aber Reformen könne es nur "Stück für Stück" geben.

Immerhin unterstützt Bischof Franz-Josef Bode aus Osnabrück, der Chef der Frauenkommission der Bischofskonferenz, die Initiative. "Ich finde die Aktion gut, um ein Zeichen zu setzen für mehr Beteiligung von Frauen in der katholischen Kirche."

"Maria braucht kein Update"

Es gibt aber auch Widerstand im Netz. "Maria braucht kein Update" heißt es auf mariaeinspunktnull.de. Dort steht auch: "Wie Maria lieben wir die Katholische Kirche. Deswegen sind wir für die katholische Lehre, den Zölibat, die katholische Sexuallehre."

Verwiesen wird auch auf die Ordinatio sacerdotali, den Titel eines apostolischen Schreibens, das Papst Johannes Paul II. im Mai 1994 veröffentlichte. Darin legte er fest, "dass die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben". (Birgit Baumann aus Berlin, 14.5.2019)