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Junge Wähler zu mobilisieren gilt gemeinhin als schwierig, EU-Politik verständlich zu erklären ebenso. Eine Gruppe ambitionierter Studenten aus Österreich und Deutschland hat es sich zur Aufgabe gemacht, das zu ändern. Mit einem "kleinen Einmaleins der Europawahlen" wollen sie wirtschaftliche und politische Grundlagen für junge Wähler aufbereiten, damit diese schließlich bei den Wahlen am 26. Mai eine Entscheidung treffen können.

Seit Anfang Mai ist die Website online. In über 60 Artikeln und Interviews berichten die Autoren über Parteiprogramme und Spitzenkandidaten und erklären die Aufgaben der EU-Institutionen. Auch Kommentare und Reportagen finden sich in dem Onlinemagazin.

"Wir wollten die 60 Artikel alle auf einmal präsentieren", sagt Felix Oblin, der in London Volkswirtschaftslehre studiert und in diesem Jahr zum zweiten Mal bei den Europawahlen wählen darf. Grund für das "Gesamtpaket" sei vor allem gewesen, unabhängig zu bleiben und "augenscheinliche Färbungen" zu vermeiden, erklärt er.

Qualität an erster Stelle

Dabei ist der Name Programm: "Das kleine Einmaleins der Europawahlen – weil Politik keine höhere Mathematik ist", werben die Autoren, die alle ehrenamtlich arbeiten, auf Twitter. Um Qualität und Richtigkeit der Beiträge sicherzustellen, arbeiten die jungen Journalisten mit Medienexperten und Wissenschaftern zusammen.

"Das kleine Einmaleins" auch in Deutschland

Vorläufer des Projekts war "Das kleine Einmaleins der Nationalratswahl" im Herbst 2017, das mit über 50.000 Lesern ein Erfolg für das Team war. Damals beteiligten sich knapp 15 Autoren, dieses Mal sind es um die 60 Schüler und Studenten.

Das Konzept ist zu den Europawahlen grundsätzlich dasselbe wie 2017. Einige Neuerungen gibt es aber trotzdem: "Unser Autorenteam wird größer und endlich diverser", sagt Felix Oblin, der aus Österreich kommt und schon während des ersten Projekts mit dabei war. Fehlende Autorinnen seien ein großer Mangel der ersten Ausgabe gewesen, das wollte man nun besser machen.

Auch inhaltlich expandiert das Magazin, und zwar nach Deutschland. Dort arbeiteten deutsche Studenten vor allem an Analysen der großen und kleineren deutschen Parteien.

"Das kleine Einmaleins" soll jungen Wählern das Grundwissen vermitteln, das sie brauchen, um eine Wahl treffen zu können.
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Große Hilfsbereitschaft in Österreich

Unterstützung für das Projekt zu bekommen, sei in Österreich leichter gewesen als in Deutschland, resümiert Oblin, der für "Das kleine Einmaleins" Petra Steger von der FPÖ und Claudia Gamon von den Neos interviewte. Er führt das vor allem darauf zurück, dass das Format in Österreich bereits bekannt war.

Neben den Spitzenkandidaten konnten die jungen Autoren auch den EU-Kommissar Johannes Hahn, die Präsidentin des Verfassungsgerichtshofs, Brigitte Bierlein, und Bundespräsident Alexander Van der Bellen für ein Interview begeistern. Der deutsche Präsident Frank-Walter Steinmeier ist nicht dabei.

Insgesamt verstehe "Das kleine Einmaleins" sich trotzdem ausdrücklich als grenzübergreifendes Projekt, denn die Wahlen würden schließlich über dasselbe Parlament entscheiden, sagt Oblin. (Milena Pieper, 16.6.2019)