Superheldenfans, die sich wundern, dass sie diesen hier nicht auf den ersten Blick identifizieren können, dürfen beruhigt sein: Es handelt sich um "Captain Citrus", ein Werbesujet von Floridas Department of Citrus im Marvel-Stil, das die gesundheitsfördernde Wirkung von Orangensaft propagieren soll.
Foto: REUTERS/Florida Department of Citrus

Angesichts der enormen Erfolge an den Kinokassen dürften Superhelden inzwischen von mehr Konsumenten als Film- denn als Comic-Phänomen wahrgenommen werden. Die Urheimat der kostümierten Helden bleiben aber natürlich die Comics – und denen haben sich nun zwei Forscherinnen der Binghamton University von der medizinisch-biologischen Seite genähert.

Rebecca Burch und Laura Johnson nahmen die Darstellung der Superheldenkörper unter die Lupe, genauer gesagt leiteten sie für beachtliche 3.752 Charaktere aus Marvel-Comics den Body-Mass-Index ab, der sich aus der Optik ergeben müsste. Nicht ganz überraschend stießen sie dabei auf Proportionen, die jenseits des Menschenmöglichen liegen (und an die sich Verfilmungen mit real existierenden Schauspielern selbst mit entsprechend zurechtgeschneiderten Kostümen kaum annähern können).

Sexistische Darstellung – aber anders als erwartet

Ein interessantes Ergebnis war, dass die Darstellung von Männern stärker verzerrt ist als die von Frauen. Superheldinnen sind laut den Autorinnen im Schnitt untergewichtig dargestellt, aber immerhin noch am unteren Ende der Normalität. Ihre männlichen Pendants hingegen haben im Schnitt derart überproportional ausgebildete Oberkörper, dass sie schlicht und wenig glamourös als "übergewichtig" einzustufen seien (der BMI unterscheidet nicht zwischen Muskel- und Fettmasse).

Burch und Johnson sprechen von "hypermaskulinen" und "hyperfemininen" Zügen der Darstellung, die sich in Proportionen wie dem Verhältnis von Schulter- zu Taillenweite und Taillen- zu Hüftumfang äußern. Dazu kommen Merkmale wie die Form des Kinns oder die Morphologie der Brust. Stereotypen Vorwürfen von großbusigen Heldinnen zum Trotz wird bei den Männern aber ironischerweise mit der Oberweite mehr übertrieben als bei den Frauen.

Sexismus und ähnliche soziologische Aspekte waren für die beiden Forscherinnen, die Superhelden-Comics übrigens durchaus schätzen, aber ohnehin nicht das Thema. Sie wollen ihre Ergebnisse ausschließlich in einen biologischen Kontext gestellt sehen. Die Darstellungen in Comics seien letztlich nicht mehr als eine übertriebene Reflexion dessen, was sich beim Menschen evolutionär als Anzeichen für Attraktivität entwickelt hat. Aus hormonellen Markern, die Jugend, Gesundheit und Fruchtbarkeit signalisieren, seien sexuelle Superstimuli für jedes Geschlecht geworden. (red, 17. 5. 2019)