Die Frauenquote an den Spitzen der großen Firmen sinkt kontinuierlich – aktuell auf rund zwei Prozent.

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Top-Manager in Österreich sind weniger oft vom Personalkarussell betroffen als der Durchschnitt der gesamten deuschsprachigen Region. 2018 betrug die Wechselquote der Vorstandschefs (CEO) in Österreich knapp 14 Prozent. Das entspricht der drittniedrigsten Fluktuationsrate weltweit, denn im globalen Schnitt räumten 2018 17,5 Prozent der CEOs ihren Posten – der höchste Wert seit Start der Studienserie im Jahr 2000, ergibt die aktuelle "CEO Success Studie" von Strategy&, der Strategieberatung von PwC.

Im Rahmen der Studie werden Veränderungen an den Spitzen der 2.500 größten börsennotierten Unternehmen der Welt analysiert. Im internationalen Vergleich sind die 2018 nachgefolgten CEOs aus Österreich, Deutschland und der Schweiz mit einem Durchschnittsalter von 50 Jahren die jüngsten Unternehmenslenker (global: 53 Jahre). Zum Vergleich: In Japan beträgt das Durchschnittsalter neu ernannter CEOs 60 Jahre.

Lange im Sattel

35 Prozent der neuen CEOs im deutschsprachigen Raum nahmen ihr neues Amt als Unternehmens-Outsider auf, während dies weltweit nur bei 17 Prozent der Fall war. 2018 stieg die Verweildauer von Managern an der Spitze deutschsprachiger Unternehmen auf 6,6 Jahre an, 2017 lag sie hingegen noch bei 6,2 Jahren. "Unsere neue Studie bestätigt, dass die heimischen Top-Führungskräfte fest im Sattel sitzen. In den 29 österreichischen Unternehmen, die zu den 300 deutschsprachigen Konzernen mit der größten Marktkapitalisierung zählen, gab es lediglich vier Wechsel auf der obersten Führungsebene. Um langfristige strategische Entscheidungen erfolgreich zu implementieren, ist Kontinuität an der Unternehmensspitze einer der Erfolgsfaktoren", sagt Harald Dutzler, Partner bei Strategy& Österreich.

Männerclub

Im Bereich der Geschlechter-Diversität bewiesen die deutschsprachigen Unternehmen auch im Jahr 2018 keinen großen Fortschrittswillen. So sank die CEO-Frauenquote 2018 bereits zum vierten Mal in Folge auf nur noch 2,1 Prozent. Die deutschsprachige Region kann allerdings im Hinblick auf die Internationalität neu berufener Führungskräfte mit Diversität punkten – 32 Prozent der neuen Unternehmenslenker kamen 2018 aus einem anderen Land als das Unternehmen, das sie leiten. Damit hat die DACH-Region weltweit den zweithöchsten Anteil ausländischer CEOs.

Auch Auslandserfahrung ist zunehmend gefragt: 58 Prozent der in Österreich, Deutschland und Schweiz neu berufenen CEOs waren bereits in anderen Weltregionen tätig. "Beim Thema Female Leadership hinkt die DACH-Region nach wie vor weit hinterher und aktuell lässt sich dazu auch keine Verbesserung erkennen. Insgesamt weist der deutschsprachige Raum den drittkleinsten Anteil an weiblichen CEOs im weltweiten Vergleich auf. Österreichische Unternehmen sind also dringend gefragt, das Thema Diversity nicht nur bei der Internationalität, sondern auch bei der Gleichstellung von Frauen stärker in der Firmen-DNA zu verankern", kommentiert Dutzler.

Lange im Amt, gute Performance

Trotz der vielen globalen Wechsel zeigt eine Sonderanalyse der Jahre 2004 bis 2018, dass 19 Prozent der weltweit ausscheidenden Unternehmenschefs sogenannte Langzeit-CEOs waren: Sie hatten ihr Amt zehn Jahre oder länger inne. Neben der langen Zeit an der Unternehmensspitze unterschieden sich diese CEOs auch mit Blick auf die Performance deutlich von ihren Amtskollegen. Im Median erzielten sie mit einer Aktienrendite von 5,7 Prozent wesentlich bessere finanzielle Ergebnisse als der Durchschnitt (3,3%). Die Nachfolger dieser High-Performer hatten es an der Unternehmensspitze dagegen eher schwer – sie konnten meist nur schlechtere finanzielle Ergebnisse erreichen und mussten ihren Posten im Schnitt bereits nach 5,3 Jahren räumen.

Dies geschah zudem deutlich häufiger ungeplant: 35 Prozent der Nachfolger-CEOs traten gezwungenermaßen ab, während nur 19 Prozent der Langzeit-CEOs vorzeitig gehen mussten. Mit Blick auf die erzwungenen CEO-Wechsel haben weltweit erstmals mehr Unternehmenschefs aufgrund ethischer Verfehlungen (39%) als wegen schlechter finanzieller Ergebnisse (35%) ihre Führungsverantwortung verloren. (kbau, 16.5.2019)