Das Gekreische von Grünmeerkatzen bei Auseinandersetzungen sagt viel über die Beteiligten aus.

Foto: AP/Ben Curtis

Ein weiblicher Titi-Affe warnt vor Gefahr: Eine Ozelotkatze ist im Anmarsch.

Université de Neuchâtel

Neuenburg – Die Schreie von Affen sind keine einfachen Lautäußerungen. Sie vermitteln vielmehr differenzierte Informationen auf eine Weise, die sich teils von menschlichen Spracheigenheiten unterscheidet, berichten Wissenschafter der Universität Neuenburg.

Für ihre Studie untersuchten die Forscher die Lautäußerungen von zwei Affenarten in Brasilien und Südafrika und beschrieben die Ergebnisse in zwei Studien in den Fachjournalen "Science Advances" und "Plos One". Demnach sind die Schreie der Tiere weitaus differenzierter als oft angenommen.

Raubtier-Warnungen

In Brasilien zeichnete das Team um Melissa Berthet die Laute von Titi-Affen (Springaffen) auf, nachdem die Wissenschafter ein ausgestopftes Raubtier – einen Raubvogel oder eine Raubkatze – am Boden oder im Blätterdach in unmittelbarer Nähe der Gruppe platziert hatten. Später spielten sie der Gruppe die aufgezeichneten Laute wieder vor, um die Reaktionen der Affen zu beobachten. Demnach konnten die Tiere durch die Laute Informationen über den Typ des Raubtiers und seinen Standort vermitteln, schienen dabei jedoch keine Kategorisierung zu verwenden, wie es beim Mensch der Fall ist.

"Wir neigen dazu, die Ereignisse, die uns umgeben, in Kategorien einzuteilen, auch wenn die Unterscheidung zwischen diesen Kategorien tatsächlich unklar ist", sagte Berthet. "Zum Beispiel bilden die Farben eines Regenbogens ein Kontinuum, aber Menschen bevorzugen es, über sieben Farbbänder zu sprechen", so die Forscherin.

Probabilistische Informationsübermittlung

In ähnlicher Weise würden Menschen in der den Affen präsentierten Situation dazu neigen, vier Kategorien zu unterscheiden: bodenlebendes Raubtier am Boden, Flug-Raubtier am Boden, bodenlebendes Raubtier im Blätterdach, Flug-Raubtier im Blätterdach.

Nicht so bei den Affen: Sie stellen diese vier Situationen als Kontinuum dar, und zwar durch Lautfolgen aus Kombinationen von Schreipaaren, die aus Schrei A und/oder Schrei B bestehen können. Je weniger Kombinationen von zwei B-Schreien in der Lautfolge vorhanden sind, desto mehr schauen die zuhörenden Affen in die Luft, um dort nach einem Raubtier zu suchen. Aber sobald die Anzahl der Kombination mit zwei B-Schreien zunimmt, schauen die Affen eher zum Boden. Diese als probabilistisch bezeichnete Informationsübermittlung wurde bisher bei keiner anderen Tierart beschrieben.

Grünmeerkatzen-Keilereien

In der zweiten Studie befasste sich ein Team um Stephanie Mercier mit Konflikten in wildlebenden Gruppen der südlichen Grünmeerkatzen in Südafrika. Ihren Ergebnissen zufolge verraten die Lautäußerungen der Beteiligten einer Schlägerei ihre Identität sowie ob es sich um Opfer oder Angreifer handelt. "Die Schreie der Opfer sind länger und häufiger als die der Angreifer", sagte Mercier. Dies stimme mit theoretischen Studien überein, die vorhersagen, dass Laute in feindlichen und aggressiven Situationen mit geringerer Häufigkeit abgegeben werden. In Angstsituationen nimmt die Frequenz zu und der Laut wird tonaler.

Diese Variationen erlauben es den Affen, die die Schreie abgeben, zum einen den Angreifer abzuwehren, zum anderen Artgenossen zur Hilfe zu rufen, vor allem während intensiver Streitigkeiten. Obwohl bei vielen Arten die Kampfschreie dem menschlichen Ohr sehr ähnlich erscheinen, sind die Konfliktschreie der südlichen Grünmeerkatzen laut der Studie sehr differenziert, je nach Rolle im Konflikt und nach der Intensität des Streits. (APA, red, 17.5.2019)