Der Amerikaner Jeff Koons ist jetzt wieder der teuerste lebende Künstler.

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So macht Kunst Spaß! Koons Kunst (nicht im Bild) ist dank seiner Skulptur "Rabbit" und einem Auktionserlös von 91 Millionen Dollar nun wieder zurück an der Spitze der teuersten lebenden Künstler.

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Jeff Koons ist ein Mann großer Worte. Als er 2017 vor dem New Yorker Rockefeller Center eine riesige Ballerina aus Gummi aufblasen ließ, erklärte er, sie stehe für Optimismus. Auch wir Menschen seien nämlich, indem sich unsere Lungen beim Atmen mit Luft füllen, aufblasbar.

Dass viele Betrachter seine Arbeiten bloß kitschig finden, hindert Koons nicht am Erfolg. Mittwochnacht machte ihn bei einer Auktion in New York die Skulptur Rabbit aus silbernem Edelstahl erneut zum teuersten lebenden Künstler. Erst unlängst hatte ein Gemälde David Hockneys einen Balloon Dog von Koons vom ersten Platz verdrängt. Für 91 Millionen Dollar wechselte Rabbit bei Christie's den Besitzer. Es ist eine von Koons bekanntesten Arbeiten.

Wohlmeinende Interpreten sehen in der Kunst des früheren Wallstreet-Brokers eine Kritik an Kapitalismus und Oberflächlichkeit. Sie feiern ihn als Erben der Pop-Art. Tatsächlich sind Koons' Arbeiten ideal fürs Instagram-Zeitalter, ihre blankpolierten Oberflächen spiegeln die Betrachter.

Tulpen gegen den Terror

Viele Werke von Koons spielen in der zweistelligen Millionenliga. Insofern schien es ein durchaus großzügiges Angebot, als er der Stadt Paris einen gigantischen Strauß Tulpen aus Edelstahl zu den Produktionskosten von drei Millionen Dollar überlassen wollte. Sie sollten ein Mahnmal für die Terroranschläge 2015 sein.

Der Schönheitsfehler: Koons wollte die Skulptur fern der Tatorte auf einem Platz vor dem angesagten Museum Palais de Tokyo platzieren. Der Großmut wurde prompt als PR-Aktion in eigenem Interesse gewertet und brachte ihm viel Kritik ein.

Tatsächlich ist der 1955 in Pennsylvania Geborene ein Meister der Selbstinszenierung. Fotografieren lässt er sich gerne mit ausgebreiteten Armen. Als Selbstdarsteller bevölkerte er die Reihe Made in Heaven, für die er mit seiner damaligen Frau, der Pornodarstellerin Cicciolina, beim Sex posierte.

Kunst aus allem

An seine eigenen Werke legt Koons schon lange nicht mehr selbst Hand an. Zuletzt musste er Angestellte entlassen, auktionstechnisch registrierte er einen Dämpfer. Gut, dass sein Galerist Larry Gagosian mit Käufen schon einmal die Preise stützt.

Koons kann aus allem Kunst machen. Michael Jackson und dessen Affen Bubbles formte er in Porzellan. Für seine Taschenkollektion für Louis Vuitton bediente er sich bei den Alten Meistern. Auch jetzt fragt man sich, ob der Koons-Hype nicht jedes Maß verloren hat. (Michael Wurmitzer, 16.5.2019)