Flora Brovina auf einem Archivfoto aus dem Jahr 2001.

Foto: REUTERS/Hazir Reka

Das Bild, das dieser Tage in vielen Kosovarinnen und Kosovaren Erinnerungen an die dunklen Tage des Kriegs weckt, zeigt drei Soldaten, die eine Frau vergewaltigen. Nach Angaben der Behörden wurden in der Hauptstadt Prishtina während des Krieges 1998 und 1999 mehr als 20.000 Frauen Opfer sexueller Gewalt. Die Täter waren damals zumeist Angehörige der serbischen Sicherheitskräfte. Am Donnerstag wurde im Parlament eine Resolution über "Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen" des serbischen Staates an Kosovo-Albanern verabschiedet. Doch das Foto, so stellt sich nun heraus, ist womöglich aus dem Kontext gerissen.

Untersuchung angekündigt

Flora Brovina, früher Menschenrechtsanwältin, während des Krieges inhaftiert und heute Abgeordnete der regierenden Demokraten, zeigte im Plenarsaal während der Debatte jenes Bild, um dessen Echtheit nun im Kosovo ein Streit entbrannt ist. Recherchen der Tageszeitung "Zeri" zufolge handelt es sich bei dem Opfer nämlich nicht um eine Kosovarin, sondern um eine Irakerin, die in ihrer Heimat Opfer sexueller Gewalt wurde. Die Haager Sonderstaatsanwaltschaft für den Kosovo hat nun eine Untersuchung über die Echtheit des äußerst expliziten Fotos angekündigt.

Schon bevor Zweifel an der Authentizität der Abbildung aufkamen, hatte das Foto im Parlament für einen Sturm der Entrüstung gesorgt. "Was Sie getan haben, ist völlig falsch", schimpfte die Oppositionelle Saranda Bogujevci. "Stellen Sie sich vor, wie sich die Frau nun fühlt." Medien sollten das Bild nicht verwenden, forderte sie. Auch die frühere Staatspräsidentin Atifete Jahjaga, die sich während ihrer Amtszeit für die Opfer sexueller Gewalt eingesetzt hat, hält die Veröffentlichung des Bildes für eine Schande. Die Identität des Opfers sei womöglich bloßgestellt wurden, fürchtet sie. Serbische Abgeordnete waren der Sitzung am Donnerstag ohnehin ferngeblieben. (flon, 17.5.2019)