Touristenattraktion Stadtmusikanten.

Foto: AP/Martin Meissner

Kalt ist es in Bremen und windig, doch auf dem Marktplatz herrscht beste Laune. "Ich stehe an der Schwelle des Rathauses", ruft Carsten Meyer-Heder, und die CDU-Anhänger vor der Wahlkampfbühne klatschen erfreut.

Die Zweideutigkeit versteht jeder. Zum einen hält der CDU-Spitzenkandidat seine Rede unmittelbar vor dem weltberühmten Bremer Regierungssitz. Zum anderen könnte er hier nach der Landtagswahl am Sonntag tatsächlich als Regierungschef einziehen und bei den deutschen Sozialdemokraten für eine Verstärkung der Depression sorgen.

Bremen war immer eine ihrer Hochburgen. Seit 73 Jahren stellt die SPD hier den Bürgermeister, und Amtsinhaber Carsten Sieling will natürlich nach dem Sonntag weitermachen – am liebsten mit seinem aktuellen grünen Koalitionspartner.

Katastrophale Umfragewerte

Doch es gibt keine einzige Umfrage, die diese Konstellation nach dem 26. Mai im Bereich des Möglichen sieht. Zwar wird den Grünen ein starkes Ergebnis vorausgesagt, der SPD hingegen drohen Verluste. Unermüdlich tourte Sieling durch Bremen und erklärte, dass die wirtschaftliche Lage sich langsam bessere und man für das arme und strukturschwache Bundesland beim neuen Länderfinanzausgleich einiges herausgeholt habe.

Dennoch passierte das für Bremen bislang Undenkbare: Die SPD liegt in Umfragen fünf Punkte hinter der CDU. Da half es auch nicht, dass SPD-Chefin Andrea Nahles in Bremen stänkerte, CDU-Mann Meyer-Heder habe doch keine Ahnung. Der Herausforderer ist ein Unternehmer, der erst vor einem Jahr als Quereinsteiger in die Politik gewechselt ist.

Zuerst haben sie ihn bei der SPD nicht ernst genommen, kurz vor der Wahl wechselte Sieling die Strategie und schloss eine Zusammenarbeit mit der CDU kategorisch aus. "Das ist die reine Arroganz der Macht", empörte sich CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer daraufhin.

Hoffnung auf Rot-Rot-Grün

Doch Sieling hofft, sich in ein rot-rot-grünes Bündnis retten zu können, es wäre das erste in einem westdeutschen Bundesland. Die Linkspartei zeigt sich offen, die Grünen sind auch nicht abgeneigt. Sie allerdings werden auch von der CDU umworben – für ein etwaiges Jamaika-Bündnis. Dafür allerdings müsste es die FDP in die Bürgerschaft, wie das Parlament in Bremen heißt, schaffen. Das ist jedoch noch nicht fix.

Können CDU, Grüne und FDP jedoch ein Jamaika-Bündnis schmieden, dann hat nicht nur Sieling ein Problem. Auch in der Bundes-SPD dürfte die Unzufriedenheit noch größer werden. (Birgit Baumann aus Bremen, 24.5.2019)