Niki Lauda ist verstorben. Am Mittwoch fand eine Trauerfeier statt.

Foto: reuters/niesner

Niki Lauda ist verstorben. Am Mittwoch begannen die Trauerfeierlichkeiten im Wiener Stephansdom, wo auch zahlreiche Passanten dem Formel-1-Star die letzte Ehre erwiesen. Doch für Ärger sorgte offenbar die Tatsache, dass kein Verbot für Smartphones herrschte. Wie heute.at berichtet, hätten einige Passanten ihr Handy gezückt und den Sarg fotografiert, einige Besucher sogar Selfies gemacht. Eine Person habe sich mit breitem Lächeln und Daumen nach oben mit dem Sarg des Verstorbenen fotografiert.

"Geschmacklos"

Lauda selbst war kein Freund von Selfies – so beschwerte er sich, dass es mittlerweile bei Fantreffen nicht reiche, sich zu begrüßen, sondern dass auch ein Foto notwendig sei. "Heute" kritisiert in einem Kommentar die Pietätlosigkeit der Selfies vor dem Sarg – das sei "respektloses" und "geschmackloses" Handeln.

Unsensibel auf sozialen Medien

Bereits vor einigen Jahren erhielt das Thema unsensibler Selfies mediale Aufmerksamkeit: Damals hatte sich eine junge US-Amerikanerin innerhalb eines Konzentrationslagers abgelichtet. Das sei auch laut Sprechern der Gedenkstätte Auschwitz gängige Praxis – oft mit Hashtags wie "Yolocaust". Ähnliche Fälle gab es in den vergangenen Jahren immer wieder. Ein Model sorgte etwa für Aufregung, da sie sich selbst gemeinsam mit ihrem frisch verstorbenen Vater ablichtete und dazu mehrere weinende Emojis postete.

Lieber Textnachrichten statt Fotos

Auch Selfies bei Beerdigungen sind keine Seltenheit: Beispielsweise unter dem Hashtag "#funeralselfie" teilen Nutzer häufig Fotos von sich in Trauerkleidung. Oft handelt es sich um sehr junge Menschen, die zuvor noch auf keiner Beerdigung waren. Wie der Arzt Mark Taubert, der sich auf Trauer und soziale Medien spezialisiert hat, im Gespräch mit "Business Insider" erklärt, ist das insofern verpönt, da die Aufmerksamkeit von der verstorbenen Person auf den Fotoersteller verschoben wird.

Möglich sei es, dass es sich bei Beerdigungsselfies um eine neue Form der Trauer in Zeiten sozialer Netzwerke handle – dennoch sei es möglich, das Thema geschmackvoller anzugehen. Etwa könne man, anstatt sich selbst zu zeigen, einfach eine reine Textnachricht verfassen, bei der man seine Trauer und Erinnerungen zum Ausdruck bringt, erklärt Taubert. (red, 31.5.2019)