Chris Hemsworth mit Tessa Thompson am Rücksitz und in Superchecker-Manier unterwegs durch "Men in Black".

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Am Anfang von Men in Black: International wird so inflationär mit dem Gedächtniszapper hantiert, dass man glauben könnte, der Blitz gälte auch dem Publikum. Dem Neuralisator, wie er im Profijargon der Immigrationsbeauftragten für Reisende und Refugees aus dem All eigentlich heißt, kommt meist die Aufgabe zu, Passanten die letzten paar Minuten Alien-Action vergessen zu lassen. Das gleißende Licht kann aber auch Jahre aus der Erinnerung tilgen – wie im Fall von Agent K, der im zweiten Teil seine gesamte Vergangenheit im Agentendienst gegen ein beschauliches Leben als Postbeamter eintauscht.

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Kurz kommt das von Tommy Lee Jones verkörperte miesepetrige Narbenpokerface auch im dritten Teil vor, wird aber im Zuge eines Zeitreiseplots vom nicht weniger stoischen Josh Brolin ausgetauscht. Was die Trilogie zusammenhielt, war der hibbelige Will Smith im Kontrast zu seinen lakonischen Partnern.

In der jüngsten Fortsetzung taucht fast niemand von der einstigen Besetzung auf. Jones hatte offensichtlich schon kein Interesse mehr an Men in Black 3, Smith bleibt nun dem Vierten gänzlich fern. Beide werden ausgetauscht durch Tessa Thompson und Chris Hemsworth, gespeist durch die Hoffnung, das Duo würde ähnlich viel Chemie wie in Thor 3: Tag der Entscheidung beweisen und dadurch mit einem Reboot das Franchise revitalisieren.

Lustloses Recycling

Weder aber ist Men in Black: International nur entfernt so witzig wie der beste der Avengers-Filme, noch funktioniert das Buddy-Cop-Schema, das in Kombination mit skurrilem Aliendesign den ersten Teil 1997 hervorhob. Der Neue teilt mit diesem bloß die Basics der Prämisse und kocht Altbekanntes lauwarm auf. Lustloses Recycling ist das Wichtigste und baut auf dem Durst auf Nostalgie auf. Und da die früheren Jahrzehnte bereits durchgenudelt sind, ist nun (eh schon länger) Platz für die Neunziger.

Agent M in spe (Tessa Thompson mit dauergeschürzten Lippen) wünscht sich nichts sehnlicher, als bei der Migrationsbehörde – wofür die Abkürzung MiB auch stehen könnte – für intergalaktische Angelegenheiten unterzukommen, um sich nicht mehr als Prekärjobberin im Callcenter durchs Leben schlagen zu müssen. Nach nur wenigen Minuten im Film gelingt ihr das auch: Wunscherfüllung eines Möchtegern-MiB im Schnelldurchlauf. Gemeinsam mit Agent H(emsworth im Superchecker-Blödelmodus) muss sie einen MacGuffin vor farblosen Aliens in Sicherheit bringen, damit diese nicht die Erde und noch mehr zerstören.

Trügerisches Versprechen

Und alles kommt freilich ganz anders: Mit falschen Fährten und Fake-Finale lässt sich noch die dünnste Geschichte aufpolieren, mit tiefsinnigen Floskeln der böseste Quatsch nobilitieren. Mehrmals wird eine Phrase wiederholt, die auf die Versöhnung mit dem Hier und Jetzt einschwört: Das Universum führe dich zum richtigen Zeitpunkt immer dorthin, wo du sein sollst. Ein trügerisches Versprechen, das die tendenziell migrantenfreundliche Message der bisherigen MiB-Movies unterminiert.

Diese Schicksalsergebenheit ist angesichts menschenunwürdiger Verhältnisse in Herkunfts- sowie manchen Ankunftsländern zynisch. Zum Glück fungiert die Leinwand aber als riesiger Neuralisator, und nur kurz nach dem Schluss kann man sich an den Film fast nicht mehr erinnern. (David Auer, 13.6.2019)