Eine Aufnahme der Sea-Watch 3 vom Jänner.

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Rom – Die deutsche NGO Sea-Watch sucht einen sicheren Hafen für die Landung von 52 Migranten, die am Mittwoch 47 Seemeilen vor der libyschen Küste gerettet worden sind. Ein Appell zur Aufnahme der Migranten wurde an Italien, Malta und die Niederlande gerichtet, berichtete die Organisation auf Twitter.

Das Schiff, auf dem sich unter anderen neun Frauen und zwei Kinder befinden, war am Mittwoch vom Sea-Watch-Flugzeug Colibri entdeckt worden. Die Migranten wurden an Bord des Schiffes Sea-Watch 3 genommen.

Italien hindert NGOs an Rettung

Der italienische Innenminister Matteo Salvini schloss einmal mehr die Öffnung der italienischen Häfen für die geretteten Migranten aus und drohte mit der Konfiszierung des Schiffes. Durch ein umstrittenes neues Sicherheitsdekret, das am Dienstagabend beschlossen wurde, ist dies möglich. Mit dem Maßnahmenpaket will Italien NGOs komplett von der Rettung von Migranten im Mittelmeer abhalten. Hilfsorganisationen, aber auch UN-Menschenrechtsvertreter und das Flüchtlingshochkommissariat haben das Sicherheitspaket heftig kritisiert.

Sea-Watch klagt Salvini wegen Rufschädigung

Die deutsche NGO Sea-Watch will zudem den italienischen Innenminister Matteo Salvini wegen Rufschädigung verklagen. Salvini hatte das Schiff der NGO, das am Mittwoch 52 Migranten gerettet hatte, als "Piratenschiff" bezeichnet. Der Minister hatte der NGO Verstrickungen mit Menschenhändlern vorgeworfen.

"Salvini hat wieder einmal die NGO und ihr Schiff verleumdet, die mit einer legalen Rettungsaktion beschäftigt ist", erklärten die italienischen Anwälte der NGO, Alessandro Gamberini und Leonardo Marini, in einer Presseaussendung am Donnerstag.

Salvini bezeichnete die "Sea-Watch 3" als "illegales Schiff". Der Innenminister rief die Crew auf, die Migranten nach Tripolis zurückzuführen. Die libysche Küstenwache hatte Tripolis als nächstliegenden sicheren Hafen für die Landung bezeichnet. "Wenn das illegale Schiff diesen Anweisungen nicht folgt und das Leben der Migranten gefährdet, wird es sich dafür vor Gericht verantwortlich machen", so Salvini.

"Es besteht offensichtlich eine Beziehung zwischen Schleppern und einigen NGOs", unterstellte Salvini einmal mehr am Mittwoch. Er schloss aus, dass die "Sea-Watch 3" die Menschen an Bord des Schiffes nach Italien bringen könnte. Er bekräftigte, dass der Rettungseinsatz der "Sea-Watch 3" wieder auf illegale Weise erfolgt sei. (APA, 13.6.2019)