Stanley Johnson ist erfreut. Sein Sohn Boris hat die besten Chancen, der nächste Premierminister Großbritanniens zu werden.

Foto: REUTERS/Toby Melville

Boris Johnson hat die besten Chancen, der nächste Premierminister Großbritanniens zu werden. Der Mann ist ein Scharlatan.

Was versteht man unter einem Scharlatan? Einen völlig verantwortungslosen, aber faszinierenden Blender, der es in eine Position mit Verantwortung schafft. Scharlatane können kleine Gauner und Trickbetrüger auf irgendwelchen Provinzmärkten sein – oder Präsident der Vereinigten Staaten. Demnächst wahrscheinlich eben Premierminister des Vereinigten Königreichs.

Zum Klub der politischen Scharlatane in Europa gehören der De-facto-Premierminister Italiens, Matteo Salvini, natürlich sein Vor-Vor-Vorgänger Silvio Berlusconi, der ungarische Premierminister Viktor Orbán, auch der ehemalige Vizekanzler Österreichs, Heinz-Christian Strache. Sowie eine ganze Reihe weniger bekannter Politiker, die man auch als Rechtspopulisten bezeichnen kann, aber eben nicht nur. Ein gewisses Maß an Chuzpe, an "Frechheit siegt" gehört dazu, aber auch eine starke Dosis Gefährlichkeit. Scharlatane sind keine harmlosen Schwindler.

Warum ist jetzt die Zeit der Scharlatane ausgebrochen? Hauptsächlich, weil die traditionellen Politiker so hilflos wirken. Scharlatane müssen nicht einmal die Wählermehrheit hinter sich haben. Es genügt eine bestimmte unselige Konstellation, um sie wider alle politische Vernunft an die Macht zu bringen. (Hans Rauscher, 13.6.2019)