Durch Landbrücken zwischen Asien und Nordamerika hatten sich in der Kreidezeit auf beiden Kontinenten sehr ähnliche Faunen etabliert. Tarbosaurus (hier im Bild) übernahm in Zentralasien die Rolle von T. rex.
Illustration: AP Photo/Hayashibara Museum of National Sciences

Tübingen – So wie im Nordamerika der späten Kreidezeit Tyrannosaurus rex an der Spitze der Nahrungspyramide stand, tat es auch sein naher Verwandter Tarbosaurus bataar in Zentralasien. Fossilien des zehn bis zwölf Meter langen Räubers wurden erstmals Mitte des 20. Jahrhunderts und seitdem immer wieder in der Wüste Gobi in der südlichen Mongolei gefunden.

Die Zähne dieses imposanten Fleischfressers hat nun ein Team um Hervé Bocherens vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen näher untersucht. Durch die Analyse von Sauerstoff- und Kohlenstoffisotopen im Zahnschmelz konnten die Forscher Rückschlüsse auf den Lebensraum und die Fressgewohnheiten des Tiers ziehen, das vor etwa 70 Millionen Jahren lebte.

Zähne wie von diesem Tarbosaurus-Unterkiefer lieferten den Forschern wertvolle Erkenntnisse.
Foto: Senckenberg

"Es ist schon erstaunlich welche Informationen dieser etwa 70 Millionen Jahre alte Zahnschmelz bereit hält", sagt Bocherens. "Unsere Auswertungen zeigen, dass der Lebensraum der fleischfressenden Reptilien etwa zehn Grad Celsius wärmer als heutzutage war und die Niederschlagsmengen stark saisonal schwankten. Wir gehen davon aus, dass die Saurier in geschlossenen Wäldern lebten – in einem monsungeprägten Klima mit kalten, trockenen Wintern und heißen, niederschlagsreichen Sommern."

Und auch die Ernährung der Tarbosaurier konnten die Forscher anhand der Zähne von fünf unterschiedlich alten Individuen rekonstruieren, wie das Senckenberg-Forschungsinstitut berichtet. Die riesigen Räuber waren bei der Wahl ihrer Beutetiere offenbar flexibel und erlegten auch Tiere, die ihrerseits zu den Riesen zählten: Sowohl die als Entenschnabelsaurier bekannten Hadrosauridae als auch verschiedenen Arten von Sauropoden standen auf ihrem Speiseplan. "Unsere Isotopie bestätigt damit die Fossilfunde und zeigt, dass Tarbosaurus an der Spitze der Nahrungspyramide stand", fasst Bocherens die Ergebnisse zusammen. (red, 29. 6. 2019)