Ihre Stimme verbindet Distanz und Wärme: Diana Krall

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Es ist angenehm kühl im großen Konzerthaus-Saal, kühler als sonst, und der Programmhefttext hat gar eine "Blondine mit dem unterkühlten Sex-Appeal" angekündigt . Womöglich war es dem Schreiber da etwas zu heiß, oder es handelt sich um einen denglischen Übersetzungsfehler. Denn cool heißt nicht unbedingt dasselbe wie kühl – womit die Jazz-Sängerin und Pianistin Diana Krall schon ganz gut beschrieben ist. Ihre sonore Stimme hat Wärme und Souveränität, wirkt zuweilen etwas distanziert, um dann wieder voller Emotionalität zuzuschlagen.

Anspruchsvolles Easy Listening

Am Sonntag entschuldigte sich die Kanadierin als verkühlt, wirkte aber nur in den Moderationen ein kleines bisschen verpeilt – ansonsten aber mit Ausnahme eines einzigen sympathischen Texthängers ganz am Ende eines pausenlosen, fast zweieinhalbstündigen Abends stimmlich und pianistisch absolut souverän. Jazz-Standards und Pop-Songs sowie Country-Einschläge amalgamiert Krall gekonnt zu einer Art anspruchsvollem Easy Listening.

Bei Cole Porter fühlt sie sich vielleicht am wohlsten, eignet sich aber auch eine Bob-Dylan-Nummer wie Simple Twist Of Faith oder Take It With Me von Tom Waits so an, als hätte sie sie selbst geschrieben. Ihr Klavierspiel – vor allem die lyrischen Einleitungen, aber auch die Up-Tempo-Soli – ist manchmal etwas einfach gestrickt, aber immer voller Atmosphäre, im Zusammenspiel mit den Musikern ist sie jedenfalls stets am Punkt.

Instrumentale Charakterköpfe

Die vier prominenten instrumentalen Charakterköpfe machen jeden Winkel auch jenseits des klassischen Jazz mit: Bassist Robert Hurst schafft neben dem bombensicheren, swingenden Fundament lässige charmante Sound-Tupfer und spielt bei All Or Nothing At All auch einmal eine witzige neobarocke Intro, der phänomenale Karriem Riggins am Schlagzeug ist ebenso ein Meister der pointierten Interaktion wie der meist eher introvertierte Gitarrist Marc Ribot und der flexible Saxophonist Joe Lovano: Kammerjazz vom Feinsten. (daen, 1.7.2019)