Das Motiv für die Aktion ist völlig unklar.

Foto: AP/Rahmat Gul

Kabul – Soldaten einer militärischen Spezialeinheit haben nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) vier Zivilisten in einem Krankenhaus in Afghanistan erschossen. Der Vorfall ereignete sich nach HRW-Angaben vom Freitag in der Nacht auf den 9. Juli in der zentralafghanischen Provinz Wardak. Bei einem Taliban-Angriff im Norden Afghanistans starben indes 13 Soldaten.

HRW forderte die Regierung in Kabul auf, die Verantwortlichen der Attacke auf das Krankenhaus zu bestrafen. Wie die Organisation unter Berufung auf Augenzeugen berichtete, betraten die Mitglieder eines Spezialkommandos des afghanischen Militärs die Klinik und erschossen einen Menschen, der sich um einen kranken Angehörigen kümmerte. Anschließend fesselten sie Mitarbeiter und weitere Verwandte. Später wurden zudem die Leichen eines Laboranten, eines Wachmanns und eines weiteren Patientenbegleiters gefunden.

Verstoß gegen humanitäres Völkerrecht

Attacken auf Krankenhäuser seien ein Angriff auf die Grundlagen des humanitären Völkerrechts, kritisierte die in den USA ansässige Hilfsorganisation. Weder das afghanische Verteidigungsministerium noch die US-Truppen in Afghanistan äußerten sich zunächst zu dem Bericht. Ob US-Soldaten den Einsatz unterstützten, war unklar.

Die Klinik wird von der schwedischen Hilfsorganisation Swedish Committee for Afghanistan (SCA) betrieben. Sie war bereits 2016 angegriffen worden. Damals wurden drei Menschen getötet. An dem Angriff beteiligt waren mutmaßlich afghanische und ausländische Soldaten.

Immer wieder Attacken auf Spitäler

Kliniken und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen wurden während des jahrzehntelangen Kriegs in Afghanistan schon oft angegriffen. Nach UN-Angaben gab es in diesem Jahr bereits 77 gewaltsame Attacken auf humanitäre Helfer. Das waren bereits mehr als im gesamten Vorjahr.

In der nördlichen Provinz Fariab seien zudem bei einem Überfall der Taliban in der Nacht auf Freitag mindestens 13 Soldaten getötet und weitere 11 verwundet worden, sagten Provinzräte. Die Taliban-Kämpfer hätten angegriffen, als die Soldaten in einer Moschee schliefen.

In den ersten drei Monaten dieses Jahres sind in Afghanistan nach UN-Angaben fast 600 Zivilisten getötet und fast weitere 1.200 verletzt worden. Täglich sterben Dutzende Sicherheitskräfte und Taliban-Kämpfer bei Gefechten. Seit Jahresbeginn sind zudem rund 170.000 Menschen innerhalb des Landes vor Kämpfen auf der Flucht. (APA, 12.7.2019)