Als Essensbote für Uber und Co lässt sich in New York mehr verdienen als bei der Arbeit direkt für Restaurants. Dafür trägt man aber auch mehr Risiko.

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Das Essen für den Heimkinoabend, die Pizza für die Konferenz im Büro – immer seltener rufen Menschen dafür direkt bei Restaurants an, um zu bestellen. Immer öfter greifen sie zum Smartphone, suchen per App die gewünschten Speisen in einem gut bewerteten Restaurant in der Nähe und bestellen per Knopfdruck.

Uber Eats, Lieferando, Foodora – und wie sie alle heißen – lassen das Essen nur wenige Klicks entfernt erscheinen. Weltweit arbeiten abertausende Menschen als Kuriere zwischen Lokal und Haustür für solche Plattformen. Die "New York Times" hat in einem Selbsttest über mehrere Tage erprobt, wie es ist, seinen Unterhalt auf diese Weise zu bestreiten.

Schneller Start, wenige Informationen

Als Radkurier anzuheuern ist dabei nicht besonders schwer. Teilweise reicht es, einen Ausweis hochzuladen und einen Background-Check zu bestehen – ganz ohne menschlichen Kontakt. Manche Anbieter führen auch kurze Einschulungen durch. Allen gemein ist, dass sie ihre Fahrer auch mit spielerischen Elementen locken. Schafft man eine bestimmte Anzahl von Zustellungen bis zu einem definierten Zeitpunkt, dann gibt es einen Bonus.

Ebenfalls gleich ist, dass die Fahrer oft nur unvollständige Informationen erhalten. Die eine App verrät im Vorfeld nicht, wie viel man mit der nächsten möglichen Zustellung verdient. Die andere schweigt sich über das Fahrtziel aus, ehe man einen Auftrag annimmt.

Tägliches Wettspiel

Unterschiede gibt es auch bei der Auszahlung. Basistarif und Boni sind je nach Plattform verschieden. Während ein Dienst einen vergleichsweise hohen Grundpreis ausschüttet, kassiert er dafür effektiv Trinkgelder ein, die die Kunden über die App auszahlen. Und während in New York für taxiartige Dienste wie Uber mittlerweile eine Mindestentlohnung von 17 Dollar pro Stunde gilt, stehen die Fahrradboten noch ohne eine solche Regelung da. Maria Figueroa, Leiterin des Instituts für Arbeitsforschung an der Cornell University, nennt sie die "verwundbarsten Arbeiter am digitalen Jobmarkt".

Für die Fahrer ist ihr täglicher Verdienst oft eine Art Wettspiel. Es geht darum, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, um möglichst viele ertragreiche Aufträge in einem kleinen Umkreis ausführen zu können. Für viele kommt hinzu, dass sie im Dienste mehrerer Plattformen gleichzeitig stehen und somit ständig mit ihrer Planung jonglieren müssen, um möglichst viel unter einen Hut zu bekommen, ohne die Kunden zu lange warten zu lassen.

Mehr Geld, mehr Risiko

Für viele ist das System durchaus eine Chance. Sie verdienen als Boten für Uber Eats und Co deutlich mehr als noch als Zusteller direkt im Dienst der Restaurants und können sich zudem ihre Arbeitszeit relativ frei einteilen. Dafür werden aber auch einige Risiken auf sie abgewälzt. Müssen sie bei einem Restaurant sehr lange auf die Zubereitung des Essens warten, wird diese Zeit oft nur mit zweistelligen Centbeträgen kompensiert. Das gilt auch für Bestellungen, die sie zu Lokalen führen, die in der App als geöffnet geführt werden, obwohl sie gerade geschlossen haben. Dazu kommen laufende Anpassungen der ausgeschütteten Liefergebühren, nicht selten nach unten.

Sich mit dem Rad eilig durch den Verkehr einer Großstadt zu schlängeln birgt auch Verletzungsgefahr. Nicht jede Plattform versichert ihre Fahrer allerdings. Verletzt man sich bei einer Zustellung und kann daher eine Weile nicht mehr den Drahtesel reiten, bedeutet das empfindliche Einkommensverluste.

Job mit Ablaufdatum

Man stehe in der Nahrungskette "nur etwas besser da als eine Amazon-Lieferdrohne", wird ein Fahrer zitiert. Eine Aussage, die möglicherweise mehr Wahrheitsgehalt hat, als man denken möchte.

Der Forscher Niels van Doorn, der für die Universität Amsterdam ein halbes Jahr lang die app-basierte Essenszustellung in New York untersucht hat, hält die Tage der Menschen in diesem Arbeitsbereich für gezählt. Seiner Erkenntnis nach ist der weniger offensichtliche Teil ihrer Arbeit die Sammlung wertvoller Daten, um die Übernahme der Zustelldienste durch Maschinen vorzubereiten. (red, 4.8.2019)