Wer unter Liebeskummer leidet, dem helfen keine handfesten Argumente.

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"Es endet immer erbärmlich", sagt Robert und starrt dabei auf sein volles Bierglas. Blauer Himmel über dem Gastgarten, der Wind raschelt durch die Kastanien. Aber Robert interessiert der Sommer nicht, denn mit Sabine ist Schluss. Nach endlosen Diskussionen, Vorwürfen und dem süßen Gift von dramatischem Versöhnungssex, heißt es seit einem letzten, ultimativen Showdown: Rien ne va plus.

"Sie will sogar ihre Bose-Soundbox zurück", stöhnt Robert, "fliegt aber munter mit meinem Rimowa-Koffer nach Griechenland."

Liebe auf Entzug

"Wo ist das Glück vom vergangenen Jahr?", sang Nana Mouskouri. Eine vollkommen unerhebliche Frage für Roboter und künstliche Intelligenzsysteme. Glaubt man Dystopisten, werden uns diese neuen Gefährten die großen Gefühle mit der Zeit schon noch abgewöhnen.

Ein japanischer Schulbeamter, liest man, hat vor kurzem ein Hologramm geheiratet. Und wenn man auf Youtube seine kleine, durchsichtige Mangafigur unter dem Sturzglas betrachtet, dann ist man doch ein bisschen stolz: Ja, man selbst hat immer wieder mal den Mut aufgebracht, sich einzulassen. Analog und ganz real.

All das würde ich jetzt gerne Robert sagen, weiß aber natürlich: Wer unter Liebeskummer leidet, dem helfen keine handfesten Argumente, sondern nur eine Hand auf der Schulter, Zuhören und Zeit.

"Ich glaube, ich liebe niemanden mehr." Dieser Tagebucheintrag von Françoise Sagan fällt mir ein, während wir im Gastgarten sitzen. Sagan hat ihn in einer Entzugsklinik geschrieben, sich leider für den Rest ihres mondänen Lebens trotzdem weiter mit Alkohol und Drogen betäubt.

Ciao, Komfortzone

Wenn Liebe die Droge ist, kann man es durchaus zurück ins Leben schaffen, so viel hat man inzwischen gelernt. Okay, man hat vielleicht nicht damit gerechnet, dass die Zuneigung von Harry, Samantha oder Rudi irgendwann schwächelt, und das ist schlimm.

Aber seien wir ehrlich: In der Komfortzone unserer Verhältnisse hätten wir die besten und wichtigsten Kapitel unserer Biografien nie aufgeschlagen – rückblickend betrachtet.

Die Tränen und die schlechten Abgänge lassen sich nicht verhindern. Aber während man sich noch um Kopf und Kragen redet ("Es liegt nicht an dir, es liegt an mir") oder wild um sich schlägt ("Du Schwein!"), hat man jedes Recht, sich mit hoffnungsvoller Neugier zu fragen: "Okay, und was jetzt?" (Ela Angerer, RONDO, 24.7.2019)