Foto: Reuters/gaillard

Pro
von Petra Stuiber

Vielleicht ist es eine Frage des Alters und der Lebensumstände. Früher: Urlaub alleine – ein sicherer Garant für Depression, unüberlegte Dummheiten und dann wieder Depression wegen der Dummheiten – also nein! Niemals!

Heute: Urlaub alleine – welch unerreichbarer Luxus! Man stelle sich vor, niemand schriee: "Das sind meine Pommes, Mama, der hat mir ein Pommes gestohlen!" Oder: "Krieg ich ein Eis? Darf ich Youtube? Kann ich ein Geld für Autodrom?" Oder, er zu mir: "Liebling, kannst du bitte einmal ruhig bleiben, nicht schreien?!" Oder, ich zu ihm: "Wenn du konsequenter wärst, hätten wir nicht jedes Mal dieses Theater bei Tisch!" Kurzum: Verstimmung statt Urlaubsstimmung .

Okay, ich übertreibe maßlos. Urlaub mit der Familie ist insgesamt sehr super. Wir vier auf Reisen, Spiel, Spaß, Zeit füreinander. Aber trotzdem: ein paar Tage, nur ich und mein Buch, maximal ein Kurzbesuch des Süßen – allein. Das wär's.

Kontra
von Fabian Sommavilla

"Weißt du noch, damals als ...?" – Kaum ein Zusammentreffen mit meinen besten Freunden kommt ohne diesen Satz aus. Es gibt einfach zu viele witzige, schöne und saublöde Urlaubsaktionen, über die man bei einem gemütlichen Bierchen auch beim gefühlt zwanzigsten Mal noch lachen oder streiten kann. Und wann auch immer ich mich mit Lukas zum Essen treffe, so gut wie der Fisch im marokkanischen Tanger wird es wohl nie mehr schmecken.

"Weißt du noch, damals als ich das eine Foto von der tollen Party an diesem griechischen Traumstrand auf Instagram gepostet habe?" – Nein, kein Mensch kann sich an das zweiundsiebzigste Bild von deinen insgesamt einhundertfünfundneunzig Holiday-Pics erinnern, liebe Anna. Wir durften zwar alle virtuell daran teilhaben, aber lieber hättest du die Magdalena, den Marco oder einfach deine Mama mitgenommen. Denn sie werden sich an das gemeinsam Erlebte immer gerne erinnern und mit dir jederzeit in Erinnerungen schwelgen. (RONDO, 22.8.2019)