Der Tod des Polizisten löste Bestürzen in Rom aus.

Foto: AP / Angelo Carconi

Rom – Zwei junge US-Bürger haben eine tödliche Messerattacke auf einen Polizisten in Rom gestanden. Der 35-jährige Carabiniere Mario Cerciello Rega war in der Nacht auf Freitag in dem eleganten Viertel Prati nahe des Vatikans mit acht Messerstichen in die Brustgegend getötet worden, als er zusammen mit einem Kollegen einen Diebstahl aufklären wollte.

Der Fall löste in Italien Bestürzung aus. Bei den Tätern handelt es sich um einen 18-Jährigen und einen 19-Jährigen aus San Francisco, die als Touristen nach Rom gereist waren und ein Vier-Sterne-Hotel nahe des Mordschauplatzes bezogen hatten. Das Messer, mit dem der Ältere der beiden den Carabiniere erstochen haben soll, und blutbeschmierte Kleider wurden im Hotelzimmer beschlagnahmt. Die beiden Jugendlichen hatten den Angaben zufolge schon die Koffer gepackt und die Tickets für den Rückflug in die USA gekauft.

Kokain war Aspirin

Die Touristen hatten von einem römischen Dealer vermeintlich Kokain gekauft, jedoch kurz darauf festgestellt, dass ihnen Aspirin angedreht worden war. Wütend suchten sie den Drogenhändler auf und stahlen ihm seinen Rucksack, in dem sich Suchtgift und ein Smartphone befanden.

Der Dealer rief danach sein eigenes Smartphone an, kontaktierte damit die Jugendlichen und verhandelte, um seinen Rucksack zurückzubekommen. Zugleich alarmierte er die Carabinieri und berichtete, er sei von "Nordafrikanern" bestohlen worden. Mit den Amerikanern einigte er sich auf ein Treffen zur Rückgabe des Rucksacks für 100 Euro und ein Gramm Kokain. Zum Treffen erschien der Dealer mit zwei Carabinieri in Zivil.

Acht Messerstiche

Als die Amerikaner aufgefordert wurden, sich auszuweisen, ging einer von ihnen auf einen der beiden Polizisten los und versetzte ihm acht Messerstiche. Später berichtete er der Polizei, er dachte, der Beamte sei ein Dealer. Die Attacke endete für den Beamten tödlich. Der zweite Polizist wurde leicht verletzt. Die Sicherheitskräfte starteten daraufhin die Suche nach dem Täter, was zur Festnahme der beiden US-Bürger führte. Der Täter nahm laut der Polizei Psychopharmaka gegen Panikattacken ein. Am Abend der Bluttat hatten die beiden Drogen und Alkohol eingenommen.

Der Tod des Carabiniere löste Bestürzung in Italien aus. Staatspräsident Sergio Mattarella und Premier Giuseppe Conte drückten den Familienangehörigen ihr Beileid aus. Der Polizist hatte erst vor 43 Tagen geheiratet. Die Trauerzeremonie ist am Montag in seiner Heimatstadt Somma Vesuviana bei Neapel geplant. Innenminister Matteo Salvini forderte Zwangsarbeit im Gefängnis für die Täter und meinte, in den USA – Heimat der beiden – gebe es die Todesstrafe.

Für Diskussionen sorgte ein im Internet veröffentlichtes Bild, in dem der mutmaßliche Täter gefesselt und mit verbundenen Augen beim Verhör zu sehen ist. Die Polizeiführung leitete eine Untersuchung ein, die klären soll, warum der junge Mann so behandelt wurde und wie das Foto an die Öffentlichkeit gelangte. Politiker meinten, es sei unerhört, einen Verdächtigten so zu behandeln. Daraufhin reagierte Innenminister Salvini scharf. "Wer sich wegen der Fesselung eines Festgenommenen beklagt, darf nicht vergessen, dass das einzige Opfer ein Staatsdiener ist, der im Dienst für die Öffentlichkeit gefallen ist", so Salvini. (APA, 27.7.2019)