Nancy Pelosi mit Ghanas Parlamentssprecher Mike Aaron Oquaye auf einer Sitzung in Accra.
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Im Jahr 1619 landete an der Küste des heutigen US-Bundesstaats Virginia ein Schiff mit etwa 20 entführten Afrikanerinnen und Afrikanern aus Angola an Bord. Das Anlegen dieses Schiffes gilt als Startpunkt des transatlantischen Sklavenhandels zwischen Afrika und den USA und jährt sich heuer zum 400. Mal. Um dessen zu gedenken, reiste Nancy Pelosi, Sprecherin des Repräsentantenhauses und damit ranghöchste Demokratin, mit einer Delegation nach Ghana. Mitglieder der Delegation sind die somalischstämmige Abgeordnete Ilhan Omar und weitere Angehörige des "Black Caucus", der Vereinigung afroamerikanischer Abgeordneter im US-Kongress.

"Schwerwiegendes Übel"

Die Delegation traf sich am Montag mit dem ghanaischen Präsidenten Nana Akufo-Addo und legte Kränze in zwei Forts an der Küste Ghanas nieder, von denen aus Sklaven in die USA verschifft wurden. In einer Rede vor dem ghanaischen Parlament sagte Pelosi, dass sie besonders der Anblick der sogenannten "Door of no return" Demut gelehrt und innerlich verändert habe. Der Schritt aus der Tür auf die Sklavenschiffe war der letzte, den die Sklaven auf ghanaischem Boden taten.

Die "Door of no return" im ghanaischen Fort Elmina Castle.
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In ihrer Rede gedachte Pelosi der "versklavten Menschen, die gezwungen wurden, ihre Heimat zu verlassen und in Fesseln in die Neue Welt geschickt wurden". Die Sklaverei sei ein schwerwiegendes Übel gewesen, doch sie sei dankbar für die Opfer der afrikanischen Sklaven und deren Beitrag zur Entstehung der USA. Präsident Akufo-Addo drückte seinen Wunsch nach einer guten Freundschaft und progressiven Handelsbeziehungen zu den USA aus.

"Year of Return"

Um diese "Freundschaft" zu vertiefen, hat die ghanaische Regierung das Jahr 2019 unter das Motto der Rückkehr der afrikanischen Diaspora gestellt. Im Rahmen des "Year of Return" finden zahlreiche Veranstaltungen statt, die die Widerstandsfähigkeit der Nachkommen der Sklaven feiern und sie zu Reisen nach Ghana ermutigen sollen. Auf dem Programm stehen auch emotional geladene "Baths of Return", bei denen sich Afroamerikaner einer Art Taufe unterziehen und afrikanische Namen annehmen können. Nancy Pelosi nannte das "Year of Return" eine "wundervolle Geste" des ghanaischen Präsidenten. (Ricarda Opis, 1.8.2019)