Rund 947.000 Österreicher, das sind 23 Prozent der Arbeitnehmer, hatten Ende des Vorjahres Anspruch auf eine betriebliche Zusatzpension.

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Wenn es um sichere Anlagen geht, sind deutsche Bundesanleihen in Europa das Maß aller Dinge. Wer im August 2009 in eine zehnjährige Schuldverschreibung investierte, kassierte dafür eine jährliche Rendite von rund 3,3 Prozent. Doch dieser Ertragsbringer läuft nun aus, was tun mit dem zurückgezahlten Kapital? Wenn man das Geld in zehnjährige Bundesanleihen reinvestiert, erhält man dafür derzeit eine Rendite von minus 0,5 Prozent. Sprich, die Gläubiger müssen dafür zahlen, dass sie dem deutschen Staat Geld borgen.

Das ist längst kein Einzelfall mehr, zur Jahresmitte notierte fast ein Viertel aller weltweit ausstehenden Anleihen mit Negativrenditen – Tendenz stark steigend. Im Juli kündigte die Europäische Zentralbank (EZB) an, dass es ab September mit den Zinsen und Renditen nochmals bergabgehen könnte. Das wird auch für alle Formen der kapitalgedeckten Zukunftsvorsorge immer mehr zum Problem, da nun – wie beschrieben – alte Schuldverschreibungen mit hohen Kupons und Renditen sukzessive auslaufen.

Rückläufige Erträge

Ablesen lässt sich dieser Effekt an den Anlageerträgen heimischer Pensionskassen. In diesem Jahrzehnt, also von 2011 bis 2018, erzielten diese bisher im Mittel einen jährlichen Ertrag von gerade einmal 3,2 Prozent – also weit unter dem langjährigen Durchschnitt seit den 1990er-Jahren von fast 5,2 Prozent. "Es ist nicht einfacher geworden", sagt Martin Sardelic, Chef der Valida Holding, in die auch die gleichnamige Pensionskasse eingegliedert ist, über die Negativzinsen. "Das stellt für jeden, der Geld veranlagt, eine Herausforderung dar." Und Sardelic geht davon aus, "dass es auch noch eine Weile so bleiben wird".

Aber auf welchem Niveau können die Pensionskassen ihre Anlageerträge auch ohne sichere Renditebringer wie deutsche oder österreichische Staatsanleihen halten? Schließlich geht es um die Höhe derzeitiger und künftiger Betriebspensionen – und bei jahrzehntelangen Ansparphasen macht aufgrund des Zinseszinseffekts selbst der klein wirkende Unterschied von jährlich einem Prozentpunkt einen ordentlichen Batzen Geld aus.

Fünf Prozent "nicht unseriös"

"Langfristig ist eine Größenordnung der Durchschnittsrendite von fünf Prozent nicht unseriös", erklärt Sardelic – und gibt einen Einblick, wie sein Haus diese Anlageerträge einfahren will. Die Grundaussage: "Langfristig ist es mit Abstand am sinnvollsten, mehr Risiko zu nehmen." Abgesehen von einer kleinen "Kassaliquidität" wird ihm zufolge alles "so veranlagt, dass der Zins nicht im Minus ist". Also bei Anleihen weg von negativ rentierenden Staatsanleihen hin zu risikoreicheren Papieren aus Schwellenländern oder von Unternehmen.

Zudem vollzieht Valida Sardelic zufolge auch einen grundsätzlichen Schwenk von Geldversprechen wie Staatsanleihen hin zu realen Vermögenswerten. An erster Stelle stehen dabei langfristige Veranlagungen in Aktien, aber auch der Bereich Immobilien soll ausgebaut werden. Die Investitionen erfolgen über Spezialfonds, die in diverse Immobilien direkt veranlagen.

Investitionen in Infrastruktur

Aber auch Infrastrukturprojekte hat der Valida-Chef auf der Rechnung. Ein Beispiel: Ebenfalls über Spezialfonds sei man an der Errichtung, Finanzierung und dem Betrieb von Röntgenanlagen in Wiener Krankenhäusern beteiligt. Dazu kommen in eher geringem Ausmaß Investitionen in Private-Equity-Fonds, die für Unternehmen Risikokapital bereitstellen. "Man wird relativ breit in der Veranlagung", fasst Sardelic die Strategie zusammen, mit der der Wegfall sicherer Zinsen auf Dauer kompensiert werden soll.

Im ersten Halbjahr waren die Pensionskassen dank der Erholung der Aktienmärkte jedenfalls gut auf Kurs – es wurde im Mittel ein Ertrag von 6,7 Prozent erwirtschaftet. Dessen ungeachtet sieht Sardelic auch die Politik in der Pflicht: "Beiträge für Mitarbeiter, insbesondere für Kleinverdiener, sollten steuerlich gefördert werden", lautet seine Forderung zum Ausbau und zur Stärkung der betrieblichen Altersvorsorge. (Alexander Hahn, 4.8.2019)