Schon frühere Fairnessabkommen haben nicht funktioniert.

Foto: REUTERS/Dominic Ebenbichler

Das ist ja eine entzückende Idee, die die SPÖ am Wochenende präsentiert hat: ein Fairnessabkommen für den Wahlkampf! Ein ganz, ganz festes Versprechen, dass man einander nicht ans Bein pinkeln wird. Dass man sich an die gesetzlichen Vorgaben halten wird. Und dass man auch sonst nicht so garstig sein wird wie sonst.

Wer möchte da dagegen sein? Sind doch eh alle brav. Oder sitzt dort hinten vielleicht einer in der vierten Reihe, der mit einem Gummiringerl U-Hakerln verschießt, wie das seinerzeit in der Volksschule vorgekommen ist?

Na, zumindest zugeben wird man das nicht!

Hätte man in der Volksschule ja auch nicht getan! Und wie in der Volksschule verhalten sich auch viele Politiker jetzt. Klagen über das "Anpatzen" und verpetzen gleichzeitig ein, zwei andere Mitspieler, die ach so unfair wären.

Kinderkram. Kinderkram, der sich nicht mit der Unterschrift auf irgendeinem Wisch aus der Welt schaffen lässt.

Das hat sich schon bisher nicht bewährt: Irgendwelche Untergriffe, Falschmeldungen, Kostenüberschreitungen und natürlich unerfüllbare Wahlkampfversprechen gibt es vor jeder Wahl – mit oder ohne Fairnessabkommen (die ja schon früher nicht funktioniert haben). Solche Abkommen interessieren allenfalls jene, die den Wisch unterschreiben. Dem Wahlvolk führen sie nur vor, dass Politiker ihrem eigenen Anstand und der eigenen Fairness nicht trauen. Dieser Verdacht wird einmal mehr verstärkt. (Conrad Seidl, 5.8.2019)