Bei 8chan versucht man derzeit eifrig neue Partner zu finden – mit vorerst wenig Erfolg.

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Neben ihrer rechtsextremen Weltanschauung haben die Massenmörder von Christchurch und El Paso noch eine andere Gemeinsamkeit: Beide haben sie vor ihrer Tat ein Manifest verfasst, in dem sie ihre Beweggründe argumentieren, und beide haben sie dafür die selbe Plattform genutzt: 8chan. Das Diskussionsforum hat sich über die Jahre immer mehr zu einem Sammelpunkt für Hass im Internet entwickelt. Nun scheint es aber eng zu werden für die Plattform. Angesichts des Terroranschlags in El Paso kappen immer mehr IT-Firmen ihre – direkten oder indirekten – Verbindungen zu 8chan. Die Folge: die Seite ist derzeit offline

Schritt für Schritt

Den Anfang macht am Sonntag Cloudflare: "Genug sei genug" ließ man in einer offiziellen Stellungnahme verlauten, und deaktivierte den Zugang von 8chan zum eigenen Service. Bei Cloudflare handelt es sich um ein sogenanntes Content Delivery Network, das von vielen Webseiten eingesetzt wird. Der Service hilft nicht zuletzt dabei, vor Distributed Denial of Service (DDoS)-Attacken zu schützen. Kaum war der Schutz durch Cloudflare weg, folgte aber genau das: Massenhafte Anfragen zwangen 8chan in die Knie. Doch die Betreiber hatten schnell eine Alternative parat: Man wechselte kurzerhand auf Bitmitigate, ein ähnlicher Dienst der Firma Epik.

Doch die Freude der 8chan-Betreiber hielt nur kurz: Denn wie der ehemalige Facebook-Sicherheitschef Alex Stamos rasch herausfand, laufen die Dienste von Epik selbst wieder auf der Hardware einer anderen Firma. Und die war über die neuen Untermieter wenig erfreut: Voxility drehte am Montag Epik komplett den Zugang ab. Dies hatte interessante Nebeneffekte: Denn Epik hatte sich in den vergangenen Monaten immer wieder als Schutzschild für rechtsextreme Seiten hervorgetan. So hatte man bereits das soziale Netzwerk Gab sowie die Neonazi-Seite Daily Stormer unter ihre Fittiche genommen. Diese sind also nun als indirekte Folge des 8chan-Banns ebenfalls nicht mehr zu erreichen.

Spurensuche

Betrieben wird 8chan seit dem Jahr 2016 von Jim Watkins, einem amerikanischen Schweinefarmer und Internet-Entrepreneur, der derzeit auf den Philippinen wohnt. Für die technische Betreuung ist sein Sohn Ron zuständig, all das läuft unter dem Dach der Firma N.T. Technology. Der Gründer von 8Chan, Fredrick Brennan, hatte sich hingegen schon vor Jahren von dem Dienst losgesagt, und forderte vor wenigen Tagen gar dazu auf, die Seite abzudrehen.

Bleibt abzuwarten, ob es 8chan gelingt, eine neue Heimstatt zu finden. Die bisherigen Bemühungen scheinen jedenfalls nicht zu greifen. So hatte man am Montag als Sicherheitsmaßnahme bereits den Domain Name Service-Anbieter gewechselt. Ein solcher ist für die Vergabe des Namens von Webseiten im Internet zuständig, stellt also einen weiteren Angriffspunkt dar. Der bisher dafür genutzte Provider Tucows hatte zwar noch am Sonntag betont, dass man keine Pläne habe, die Geschäftsbeziehung zu beenden, dem scheint man bei 8chan aber nicht zu vertrauen. Also wechselte man am Montag auf einen anderen Anbieter. Dass es sich dabei erst recht wieder um Epik handelt, zeigt, dass 8chan langsam die Optionen ausgehen.

Server

Die eigentlichen Server von 8chan stehen nach Angaben von N.T. Technology in einem Rechenzentrum in San Francisco. Ob diese Angabe wahr ist, ist allerdings unklar. Der Betreiber des Rechenzentrums, Digital Realty, betont jedenfalls gegenüber Mashable, dass man keinerlei Geschäftsbeziehungen zu N.T. Technology pflegt. Freilich könne es sein, dass ein andere Hosting-Anbieter seinen Platz in den Rechenzentren an 8chan weitervermietet, und man nichts davon weiß. Und tatsächlich gibt es mit Centauri Communications eine Firma, die sowohl ein Kunde von Digital Realty ist, als auch in der Vergangenheit in Tweets von den 8chan-Betreibern erwähnt wurde.

Klar ist jedenfalls, dass es 8chan schwer fallen dürfte, seinen Betrieb ohne Schutz großer Unternehmen dauerhaft wieder aufnehmen zu können. Sollte man keine neue Lösung finden, wäre natürlich ein Gang ins Deep Web möglich, einen sogenannte Hidden Service beim Anonymisierungsnetzwerk Tor betreibt man schon länger. Ob dies eine massentaugliche Lösung darstellt, ist aber mehr als zweifelhaft. Am Sonntag hatten sich die 8chan-Betreiber noch kämpferisch gezeigt, und versichert, dass man bald stärker denn je zuvor zurückkehren werde. Davon scheint man derzeit aber weit entfernt. (red, 6.8.2019)