Trump attackiert Videospiele und gibt diesen die Schuld für die Massaker in den USA. Wissenschaftlich haltbar ist die Behauptung allerdings nicht.

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Nachdem am Wochenende bei zwei Massakern in den USA innerhalb von 24 Stunden mindestens 30 Menschen ums Leben gekommen waren, machten manche US-Politiker einen Sündenbock aus: Videospiele. Den Anfang machten ein Republikaner und der texanische Vizegouverneur, nun legte auch US-Präsident Trump nach. In seiner Rede an die Nation forderte er kulturelle Veränderung und warnte vor Games.

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"Wir müssen das stoppen und stark reduzieren"

"Wir müssen die Glorifizierung von Gewalt in unserer Gesellschaft beenden. Dies inkludiert grauenhafte und grausige Games, die mittlerweile weit verbreitet sind. Es ist für aufgewühlte Jugendliche heute zu einfach, sich mit einer Kultur zu umgeben, die Gewalt feiert. Wir müssen das stoppen und stark reduzieren – und zwar sofort", richtete Trump in seiner Rede aus.

Neues Tool soll Massaker vorab erkennen

Nach seinem Rundumschlag gegen Computerspiele kritisierte der US-Präsident auch das Internet: "Die Gefahren des Netzes und von Social Media dürfen nicht ignoriert werden – und werden auch nicht ignoriert werden." Zudem will er gemeinsam mit den Geheimdiensten und den Social-Media-Anbietern ein Tool entwickeln, das Massaker erkennt, bevor ein solches passiert.

Trumps Worte in rechtsextremem Manifest

Der Täter von El Paso hatte vor dem Anschlag ein rechtsextremes Manifest veröffentlicht, in dem er sich auf die "hispanische Invasion von Texas" bezieht. Die gleichen Worte wurden übrigens von Trump selbst immer wieder in den sozialen Netzwerken verwendet. Was der US-Präsident nun gegen Videospiele, das Internet und Social Media unternehmen möchte, ließ der 73-Jährige vorerst offen. 2018 setzte die stark wachsende Videospielebranche 35 Milliarden US-Dollar in den USA um – harte Einschnitte sind somit wohl eher unrealistisch.

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Seit Jahrzehnten wird an Auswirkungen geforscht

Unterdessen regt sich Widerstand angesichts der Vorwürfe gegen Computerspiele. Seit Jahrzehnten beschäftigt man sich mit den Auswirkungen von Gewaltspielen. Bislang war das Ergebnis mehrerer – teils langjähriger – Studien, dass gewalttätige Games Menschen nicht aggressiver machen und sie auch nicht dazu animieren, Menschen zu töten. Auch im deutschsprachigen Raum gerieten vor Jahren wieder einmal sogenannte Killerspiele in den Fokus der Gesellschaft – vorrangig konservative Politiker sahen einen Zusammenhang zwischen gewalttätigen Spielen und Amokläufen.

Studie mit 1.000 Teens Anfang 2019 durchgeführt

Anfang 2019 führte die renommierte Oxford University eine Studie mit 1.000 britischen Teens zwischen 14 und 15 Jahren durch. Die Befragung ergab, dass Gewalt in Games die Heranwachsenden nicht gewalttätiger macht. Allerdings soll es durchaus Mechaniken und Situationen in Videospielen geben, die "aggressive Gefühle und Reaktionen bei Spielern hervorrufen". Dies führt zu Verhalten wie Trash-Talking, Konkurrenzdenken und Trollen. Das sollte laut den Forschern weiter untersucht werden.

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Wieso gibt es das Problem nur in den USA?

Videospiele werden von immer mehr Menschen gespielt. Allein in Österreich sollen laut einer Studie aus dem Jahr 2017 mehr als fünf Millionen Menschen Computerspiele nutzen. Weltweit sollen es mehr als 2,5 Milliarden sein. Unverständnis herrscht vielerorts darüber, wieso trotz der weiten Verbreitung des Mediums derartige Massaker nur in den USA stattfinden. Ein Zusammenhang mit der einfachen Verfügbarkeit von Waffen wird von republikanischer Seite nämlich immer wieder von der Hand gewiesen.

Dieses Video wurde Vertretern der Spieleindustrie gezeigt.
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US-Industrie war bereits bei Trump geladen

Die größten Vertreter der US-Spieleindustrie mussten unterdessen einen Wertverlust von mehr als fünf Prozent hinnehmen. Activision-Blizzard, Electronic Arts und Take-Two sind unter anderem davon betroffen. Sie waren bei Trump bereits vorstellig. Bei dem Treffen wurde den Vertretern ein Video gezeigt, in dem Gewalt in Games gezeigt wurde. Damals war der Auslöser für das Treffen ein Amoklauf in Florida, bei dem 17 Menschen erschossen wurden. Etwaige Änderungen brachte das Treffen damals nicht hervor. (dk, 6.8.2019)