Trauernde bedecken die Blumen, die am Ort des Massakers in Dayton niedergelegt wurden, vor einem Sturm mit einer Plane.

Foto: reuters / Woolston

Washington – Heute, Mittwoch, will US-Präsident Donald Trump nach Dayton (Ohio) und El Paso (Texas) reisen, um die Orte zu besuchen, an denen kürzlich mindestens 31 Menschen erschossen worden sind.

Trump und First Lady Melania wollen dort ihr Mitgefühl und ihre Unterstützung für die betroffenen Angehörigen ausdrücken. Das kommt bei einigen Bewohnern und Politikern nicht gut an.

"Er ist hier nicht willkommen. Er sollte nicht hierherkommen, während wir noch trauern", sagte die demokratische Kongressabgeordnete Veronica Escobar, die El Paso vertritt. Trotz Einladung werde sie nicht an seinem Besuch teilnehmen. Trump müsse sich entschuldigen und seine "rassistischen und hasserfüllten" Äußerungen zurücknehmen, schrieb sie am Dienstag auf Twitter.

Auch der texanische Präsidentschaftsbewerber Beto O'Rourke sah Trump in der Verantwortung. Der Präsident habe "geholfen, den Hass zu schaffen, der die Tragödie vom Samstag möglich machte", erklärte er.

Trump reagierte auf Twitter, indem er sich über den Spitznamen von O'Rourke, "Beto", lustig machte. Er solle Respekt gegenüber den Opfern zeigen "und still stein", schreibt der US-Präsident.

Keine politische Botschaft

Der Bürgermeister von El Paso, Dee Margo, erklärte, es sei seine Pflicht, den Präsidenten zu begrüßen, das sei jedoch keine politische Botschaft. Er werde sich aber gegen jegliche "verletzenden oder falschen Aussagen" über El Paso wehren – ein klarer Seitenhieb gegen Trump, der El Paso häufiger kritisiert hatte. Die Stadt stehe für eine grenzübergreifende Kultur nach dem Motto "Bienvenidos" (Spanisch für Willkommen), sagte Margo – wie Trump ein Republikaner – am Montag.

Die Ermittler stufen das Massaker in El Paso als inländischen Terrorismus ein. Sie gehen von einem rassistischen Hintergrund aus. 22 Menschen wurden erschossen, darunter mehrere Mexikaner. Der 21-jährige Tatverdächtige habe vor allem Latinos und Mexikaner angreifen wollen, hieß es. Er ergab sich der Polizei und ist in Gewahrsam.

Vorwürfe an Trump

Trump wurde in den vergangenen Tagen bereits unter anderem für seine Rhetorik und verbalen Angriffe gegenüber politischen Mitbewerberinnen mit nichtweißer Hautfarbe vehement kritisiert. So empfahl er vier Demokratinnen etwa, in ihre vermeintlichen Heimatländer zurückzukehren, obwohl alle US-Staatsbürgerinnen sind. Ihm wird vorgeworfen, durch seine Aussagen Rassismus im Land befördert und sich somit mitschuldig an den Morden gemacht zu haben.

Zudem hat er die Eindämmung illegaler Einwanderung über die US-mexikanische Grenze zu einem Kernpunkt seiner Präsidentschaft gemacht. Von vielen wird seine Anteilnahme somit als Heuchelei empfunden. Kritisiert wird zudem, dass die Republikaner sich seit langem gegen schärfere Waffengesetze sperren. Trump kündigte hingegen eine Gesetzesänderung an, die sicherstellen soll, dass psychisch Kranke, die eine Gefahr für die Öffentlichkeit darstellen, nicht in den Besitz von Waffen kommen können.

Eine Aufnahme aus El Paso, Texas.
Foto: APA/AFP/Ralston

Mehr Informationen über Dayton-Schützen

Wie die Bundespolizei FBI bekanntgab, hat sich der Todesschütze aus Dayton seit langem für "gewaltsame Ideologien" und Amokläufe interessiert. Er habe bereits in der Vergangenheit erkennen lassen, dass er einen Amoklauf begehen wolle.

Das FBI machte keine genauen Angaben zur Ideologie des Täters, berichtete aber, die Tat sei nach bisherigen Erkenntnissen nicht rassistisch motiviert gewesen. Bekannt wurde allerdings, dass er in der Vergangenheit frauenverachtende Verhaltensweisen gezeigt haben soll. Der 24-Jährige tötete neun Menschen mit einem Sturmgewehr vor einer Bar, darunter seine eigene Schwester. Er wurde von der Polizei getötet.

Terrorermittlungen zu Angriff bei Food-Festival

Ein Demonstrant in Dayton, Ohio, spricht sich gegen den Besuch von Trump aus.
Foto: AP/Minchillo

Seit Jahresanfang hat es laut einer Statistik der Organisation Gun Violence Archive in den USA mehr als 250 sogenannte "mass Shootings" gegeben, also Fälle, bei denen mindestens vier Menschen durch Schusswaffengewalt verletzt oder getötet wurden. Rechnerisch ist das mehr als ein solcher Fall pro Tag.

Unterdessen leitete das FBI Terrorermittlungen zu einem Schusswaffenangriff auf ein Food-Festival in Kalifornien Ende Juli ein. Ein 19-Jähriger hatte auf dem Garlic Festival (Knoblauch-Festival) von Gilroy drei Menschen erschossen, unter ihnen zwei Kinder. Als Polizisten ihn stellten, erschoss er sich selbst.

Nach Angaben von FBI-Agent John Bennett interessierte sich der Angreifer für verschiedene "gewaltsame Ideologien". Außerdem habe er eine Liste mit möglichen Angriffszielen erstellt, darunter religiöse Einrichtungen, Behördengebäude, Gerichte, politische Parteien sowie das Knoblauch-Festival. Das FBI leitete deswegen Ermittlungen wegen inländischen Terrorismus ein.

Das genaue Motiv sei aber nach wie vor unklar, sagte Bennett. Der 19-Jährige soll vor der Tat im Internet ein Buch über die Überlegenheit der "weißen Rasse" zitiert haben. (red, APA, 7.8.2019)