Staub wirbeln Geländewagen nicht nur in der Wüste auf. Bei Volkswagen waren auch SUV-Abgaswerte geschönt.

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Der Diesel-Abgasskandal ist mit Rückrufen und Software-Updates für Millionen-Euro-5-Diesel bei weitem nicht abgeschlossen. Jetzt kommen die großen Premium-Fahrzeuge von Porsche, Audi und Volkswagen auf den Prüfstand, die eigentlich in der Kategorie "sauberer Diesel" rangieren, weil sie der Abgasklasse Euro-6 angehören.

Im Visier der Zulassungsbehörden stehen Audi-A6- bis -A8-Limousinen ebenso wie kleinere und größere SUVs von Audi Q5 bis Q7 über VW Touareg bis Porsche Macan und Cayenne. Sie alle haben eines gemeinsam: Ihre 3.0- oder 4.2-Liter-Motoren stammen allesamt von Audi, und das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt attestiert genau diesen Aggregaten, dass jede Variation eine oder mehrere unzulässige Abschalteinrichtungen enthält, mit denen die Abgasreinigung nach den Prüfstandtests vermindert oder deaktiviert wird.

Schon lange im Visier

Das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat den Volkswagen-Konzern längst im Visier, 2017 und 2018 wurden zahlreiche Rückrufe angeordnet. Das geht aus den vom Handelsblatt veröffentlichten Bescheiden hervor, die das KBA gegen Porsche, Audi und VW erlassen hat. Darin wird Porsche, Audi und VW nicht nur die technische Behebung der festgestellten Mängel verordnet, sondern auch die Erstellung von Rückrufplänen sowie das Prozedere der Implementierung der neuen Motorsteuerungssoftware bei den Endkunden.

Stattgefunden haben von diesen Rückrufen allerdings die wenigsten. Im Gegenteil. Die betroffenen Fahrzeughalter wissen bis heute nichts von ihrem Glück – und dem Umstand, dass aus dem Auspuff ihres Pkws ein Vielfaches der erlaubten Schadstoffe geblasen wird.

Selbst die Zahl der betroffenen Pkws in Österreich war bis Mittwochnachmittag beim Generalimporteur, dem Volkswagen-Ableger Porsche Austria in Salzburg, nicht in Erfahrung zu bringen.

Im Fall des Porsche Macan wurden von der Dr. Ing. h.c. Ferdinand Porsche AG seitens des KBA detaillierte Pläne für die Umrüstung bereits bis 29. Dezember 2017 eingefordert. Gleiches gilt für die Drei-Liter-Audi-Modelle Q5 und SQ5 der Audi AG. Für die Drei-Liter-Modelle von Audi A6 und Audi A8 (alle Euro 6) wurden die technischen Maßnahmen und Umsetzungspläne bis 2. Februar 2018 eingefordert, beim Porsche Cayenne S 4.2. bis 28. Mai 2018.

Illegale Defeat-Devices in fünf Varianten

Aufgespürt haben die Prüfer des KBA bis zu fünf Varianten an illegalen Defeat-Devices, also Abschalteinrichtungen. Beim VW-Touareg reicht die Palette vom Aufheizen des Katalysators zwecks Vermeidung der Überschreitung des Stickoxid-Grenzwertes von 80 Gramm pro Kilometer auf dem Prüfstand bis zum "Eindüsen" der Harnstofflösung ("AdBlue") bei der nochmaligen Abgasreinigung mittels SCR-Katalysators. Letzteres bedeutet laut den Ausführungen im KBA-Bescheid, dass unterschiedlich viel Harnstofflösung eingespritzt wird – je nachdem, ob das Fahrzeug bei gleichbleibender Geschwindigkeit auf dem Prüfstand fährt oder in freier Wildbahn. Die Motorsteuerung erkennt diesen Unterschied und reguliert dahingehend die eingespritzte Menge des Harnstoff-Wassergemisches zur Abgasreinigung.

Auf die Schliche gekommen sind die KBA-Ingenieure dem bei der Audi AG seit 2006 aufgebauten ausgeklügelten System einerseits durch die US-Umweltbehörden, die die Euro-5-Abgasschummelei aufgedeckt haben. Laut dem US-Vergleich, den Volkswagen 2016 geschlossen hat und dem Milliarden-Straf- und -Schadenersatzzahlungen folgten, war bereits bei den Vorgängermotoren Audi die Keimzelle der Abgasmanipulationen. Anderseits haben sie, wie aus den bis dato unter Verschluss gehaltenen KBA-Bescheiden für von 2014 bis 2018 zugelassene Euro-6-Modellen hervorgeht, auch selbst Software- und Emissionsprüfungen durchgeführt.

Nicht zum Motorschutz

Dass die eingebauten Abschalteinrichtungen nicht dem Schutz des Motors dienten, etwa vor Versottung oder Verrußung, bestreitet die Audi AG laut den KBA-Bescheiden gar nicht. Allerdings versuchen Porsche und Volkswagen die Verantwortung auf die Konzernschwester abzuschieben. Man habe das Motorsteuergerät nicht selbst appliziert, sondern "von einem Aggregatelieferanten" bezogen. Das lässt das KBA nicht gelten: Verantwortlich sei einzig der Genehmigungsinhaber, also Porsche oder VW oder im Fall der Audi-Modelle eben Audi.

Der auf Schadenersatzklagen in der Volkswagen-Abgas-Causa spezialisierte Linzer Rechtsanwalt Michael Poduschka räumt auch Besitzern älterer Diesel gute Chancen für Schadenersatzklagen ein. Der Bericht der Volkswagen-Untersuchungskommission lege nahe, dass auch Modelle, die ab 2009 auf den Markt gekommen sind, gute Chancen haben. (Luise Ungerboeck, 8.8.2019)