Veronica Escobar (50), demokratische Abgeordnete von El Paso.

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An der kleinen Gedenkstätte, die Bürger von El Paso hinter der Walmart-Filiale errichtet haben, weht eine US-amerikanische Fahne im Wind – und eine mexikanische. Hier trauern Hinterbliebene von Opfern des rechtsradikalen Attentats vom Wochenende, bei dem 22 Menschen starben. Am Mittwoch war auch US-Präsident Donald Trump in El Paso.

Nicht anwesend war Veronica Escobar, demokratische Abgeordnete von El Paso – trotz präsidialer Einladung. Solange der Präsident nicht bereit sei, über seine rassistischen Kommentare zu Einwanderern zu reden, sei er nicht willkommen. Sie jedenfalls habe keine Lust auf seine Gesellschaft. "Worte haben Konsequenzen", wetterte die 50-Jährige im Vorfeld und empfahl Trump, "einfach einmal zuzuhören", und seinem Team "ein bisschen Selbstreflexion".

Trump hatte El Paso, laut Statistik eine der sichersten Städte der USA, wiederholt als rechtsfreies Zentrum der illegalen Einwanderung dargestellt, Menschen aus Mexiko als kriminelle "Invasoren" – ein Novum aus dem Mund eines US-Präsidenten. Den Standpunkt, dass Trumps Rhetorik mitverantwortlich für das Attentat sei, teilen hier viele Menschen. Die Mehrheit der Einwohner hat hispanische Wurzeln wie auch Veronica Escobar.

Sie und Sylvia Garcia schrieben 2018 Geschichte, als sie als allererste Latina-Abgeordnete für Texas in den Kongress gewählt wurden. Gegen Vorurteile musste Escobar allerdings schon ihr ganzes Leben lang kämpfen. Vor ihrer Politikkarriere tat die zweifache Mutter dies als Lehrerin am El Paso Community College.

Später gehörte die Bauerntochter gemeinsam mit Beto O'Rourke, der sich aktuell um die demokratische Präsidentschaftskandidatur bewirbt, dem Stadtrat von El Paso an. Als Kämpferin gegen Korruption, für "hart arbeitende Menschen" und für eine bessere Gesundheitsversorgung in den USA machte sich die leger auftretende Mutter zweier Kinder dort schnell einen Namen.

Als Abgeordnete fiel sie schon in den vergangenen Monaten als scharfe Gegnerin von Trumps Einwanderungspolitik auf. So führte sie auch zusammen mit O'Rourke die Proteste im texanischen Tornillo gegen die Trennung von Migrantenfamilien an.

Dass Escobar sich jetzt öffentlich mit dem US-Präsidenten anlegt, hält sie nur für konsequent. "Sie müssen anerkennen, dass Sie Menschen entmenschlicht haben. Und Sie müssen das rückgängig machen." (Manuela Honsig-Erlenburg, 8.8.2019)